Corona
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16. März, Rassist, Gefährder, Hamster

„Frankreich schafft Händedruck ab“. Die Deutschen halten sich dran, laufen sogar große Bögen um mich herum. Vorhin ist einer auf die Straße gesprungen, um mir auszuweichen - lieber Unfälle als mit atmenden Wesen den Fußweg zu teilen.

Warum ab heute die Grenzen schließen, kann man nicht erklären - nachdem es schon drin ist. Und ist wohl nicht versehentlich rein geraten. Jedenfalls schwer vorstellbar, dass „Panikmache, Verschwörungstheorien [...] Rassismus!“ aus Versehen geschimpft wird. „Viele asiatisch aussehende Menschen würden schief angesehen oder beleidigt. Sie würden etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgefordert: ‚Zieh deine Maske an‘.“ www.zdf.de. Christoph hat sich nicht getraut, Abstand zu nehmen, chinesischer Massentourismus in die Kneipe, und durftest nicht, wie mir vorhin einer, ausweichen. Bis eben war es kaum erlaubt, Grenzen nicht sperrangelweit öffnen zu wollen. Lieber das Virus, als Shitstorms wegen Rassismus.

Ein bisschen über Null Prozent Sterberate, die meisten Infizierten aber ohne Symptome, liest man, und Frankreich verordnet die Ausgangssperre. Solche Zustände sind uns völlig unbekannt. Die Regierung unberechenbar, alles zuzutrauen. Darfst nachher nicht mehr vor die Tür?

Vorräte? In immer kleineren Wohnungen und WGs? Klappstühle zwischen Mini-Kühlschrank und Spielkonsole, nein, selbst wer Platz hat, mit unversieglichen Supermärkten um die Ecke … Plötzlich: Was ist mit morgen, übermorgen, Wochen? Legen wir von Manchem statt einem nun zwei Gläser aufs Band. Ein volles Schrankfach in der Küche! Nachrichten über Hamster! Andrerseits, die Großeltern hatten einen Speisekeller, Eingewecktes, Tiefkühltruhe, ein Haus, für Einkäufe das Auto. Was wir neuerdings hamstern, ist anderer Leuts Standard. Aber hamstern ist hamstern, auch wenn’s nur kleine Backen sind. Und wenn das jeder machen würde! Zum Glück schaut einer dem anderen solidarisch in den Korb, ob nicht wegen ihm die Ware knapp wird.

Rassist, Gefährder, Hamster. Heißt, um nicht Rassist zu sein, sich anstecken. Um dann nicht Gefährder zu sein, nicht mehr unter Menschen. Um zu Hause bleiben zu können, hamstern - Was auch immer, der Spott ist dir sicher.

Ich fahre ein letztes mal zu Viola nach Radebeul - so leere Züge nie gesehen! Wir begrüßen uns strahlend mit einer verpönten Umarmung. Leere Klopapier-Regale im Supermarkt. Viola guck mal, gibt’s diese Hamster wirklich? Sie winkt ab, ach Quatsch, wird nur nicht geliefert. Und Kinder, Kinder, Kinder unterwegs, oft nicht mit Eltern - die müssen arbeiten, auch nicht mit Großeltern - die sind 60, arbeiten ebenfalls, sondern mit Urgroßeltern! Schulen und Kitas, diese „Keimherde“, wie zu lesen ist, sind geschlossen zum Schutz der Alten, so bleiben für die kleinen „Virenbrüter“, wie Kinder jetzt genannt werden, nur Ur-Omas übrig. Eine alte Frau am Rollator mit kraftlosem Stimmchen versucht es mit ihren zwei tobenden Jungs über die Straße.

Klaus Kleber (Fernsehen), wirbelt wie ein Lehrer enthusiastisch an der Karte herum, erklärt uns Schülern, also der Bevölkerung, dass man „die Kurve flach halten“ will, heißt den Anstieg der Infektionszahlen verlangsamen und strecken, weil die Krankenhäuser keine Kapazitäten hätten. Schon so weit herunter gewirtschaftet? Und weil jetzt die Kitas geschlossen sind, und nicht jeder Ur-Omas hat, sind viele Pfleger mit Kindern zu Hause, noch weniger Kapazitäten. Nicht zu viel drüber nachdenken.
Die Sonne brennt auf dem Weinberg, im Schatten zieht es kalt um den Hals, am Ausblick ein Mann schwer am Niesen, auf die ganze Ortschaft runter. Ja, wenn ich mich genug darauf konzentriere, kann ich diese Viren auch schon überall direkt sehen. Sie sind genau wie im Fernsehen rund und knallrot, sehen aus wie aus Plastik oder Gummi, mit Stacheln oder einer Art Saugnäpfen dran.

„Nachdem ich gerade in Ihrer Zeitung gelesen habe, dass die Bundesregierung beabsichtigt, wegen der Corona Krise die deutschen Grenzen teilweise zu schliessen, erinnerte ich mich daran, dass ich noch heute morgen an gleicher Stelle gelesen hatte, dass ‚Rechtsradikale‘ fordern wegen Corona die Grenzen zu schliessen. Da ich politisch sehr interessiert bin, wollte ich einen Abgleich der beiden Artikel machen, fand den Artikel von heute morgen aber nicht mehr. Zufall???“, Leserbrief von Heiko Werner an die ZEIT, 12. März.

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20. März, Wie Unfrieden gesät wird

Stille Straßen. Sind wir die Letzten? Es soll keine „Ausgangssperre“ sein, aber sollten wir trotzdem vor die Tür gehen, soll eine „Ausgangssperre“ verhängt werden. Und wie gut ein Nachbar den anderen im Visier hat! Wir erwischen uns selbst dabei: Ob der da, der einfach so auf der Bank sitzt, oder der, der vor sich hin spaziert, etwa, wie gesagt wird, systemrelevant ist? Wenn hier jeder einfach wie wir ohne triftigen Grund... Wer kontrolliert das? Und dort! Tatsächlich welche im Park und „walken“!

„Warum sind die Straßen noch so voll?“, „Wer jetzt noch ohne triftigen Grund unter Menschen geht, schadet allen. Und von diesen Leuten gibt es noch immer viel zu viele.“, www.zeit.de.

„schlichtweg asozial“, www.wa.de.
„Gefährlicher Wohlstandstrotz“, meedia.de.
„Jeder ist gefährdet, jeder ein Gefährder“, www.spiegel.de.

„‚Vollpfosten‘ möchte ich all denen entgegenrufen, […] die ihre Kinder zum fröhlichen Gruppenspiel in den Park schicken oder sie nicht zurückhalten. Hier versagen Eltern, weil sie ihrer Verantwortung nicht nachkommen […] Jeder, der sicher ist, ihn wird es schon nicht so schwer treffen, dient im Ernstfall als Virenschleuder und gefährdet das Leben anderer.“, www.rbb24.de.

Man munkelt, ob man Hunde noch ausführen darf, oder sie jetzt aufs Klos setzen oder aus dem Fenster halten muss.
Seit gestern sogenanntes Shutdown für Sachsen. Wie kann es sein, dass die Leute in Dresden noch am Elb-Ufer spazieren gehen!

„Im Horrorfilm sterben die Dumm-Dreisten als Erstes. Im echten Leben erhöht, wer noch immer demonstrativ in Gruppen unterwegs ist, das Risiko für alle anderen. ‚Rebellen‘ in der Corona-Krise : Bleibt verdammt noch mal zu Hause! [...] ich verstehe euren Freiheitsdrang. Eure Sehnsucht nach Gesellschaft und den ersten echten Sonnenstrahlen nach einem langen Winter. Wirklich. Und ich hasse es auch, wie ein Kleinkind behandelt zu werden. Aber gerade deshalb verhalte ich mich freiwillig vernünftig. Mache es mir im Home Office bequem und danke denen, die das nicht können (Bauern und Supermarkt-Kassierern, Pflegern, Polizisten, Ärzten usw.). Ihr aber – und von Euch gibt es offenbar mehrere Zehntausend – drängt euch bis zur letzten Minute in die Biergärten und Clubs oder verabredet euch danach privat mit euren paar dutzend (hundert?) Kumpels und Freundinnen.“ Tobias Jochheim, rp-online.de, 17. März

21. März, Hamster

Leer sind die Straßen, dunkel, geschlossen die Cafés, Geschäfte, Kinos, Banken... Lasst sehen, was noch geöffnet ist: Lebensmittelmärkte, Apotheken, Zeitungskioske, Post, Mc Donalds - warum noch Mc Donalds? Wer jetzt ein Loch in seiner Haushose hat, kann keine neue kaufen, meine Generation weiß doch nicht, wie man stopft. Man sitzt vor den Geräten, sieht nichts als Corona, riesige Kugeln mit Borsten, rot! Hoch ansteckend, da kribbelt’s schon wieder verdächtig im Hals, wir werden alle sterben wie die Leute in den Nachrichten, man führt uns vor, wie, mit großer Liebe zum Deteil: so grausam als würden wir ertrinken, soll sich das anfühlen, oder wie Glas in der Lunge, liest man woanders, so ein Massensterben, die Nachrichten zeigen immer, wie in Italien unzählige Särge, immer gleiche Särge uniform in der Reihe wie am Fließband... Im nächsten Bild müssen große Militär-Lastwagen das abtransportieren. Immer noch kein Zweifel? Wir fühlen uns fiebrig und gehen ein Fieberthermometer kaufen, aber die Apotheke hat alle ausverkauft. Ganz Leipzig fühlt sich fiebrig. Wir bekommen eins in einer anderen Apotheke und nehmen uns vor, jetzt nicht stündlich nach jeder neuen Nachricht zu messen. War es vor Wochen oder Tagen? - als die Nachrichten leere Regale im Supermarkt gezeigt haben. Hamster sollen das weg gekauft haben. Kurz danach gab es diese Hamster dann tatsächlich, also gesichtet haben wir keine, aber die Regale sind leer, genau wie’s die Nachrichten vorher gezeigt haben. Wir waren seitdem schon vier oder fünf mal einkaufen, immer völlig leere Klopapier-Regale! Genauso Nudeln, Nudelsoße, Reis, Mehl. Täglich Nachrichten, es sei überhaupt kein Mangel, wären da nicht diese Hamster! Jetzt hängen Schilder: Aus gegebenem Anlass pro Person nur noch ein Packen. Am Eingang Security-Mann, aber wie man sieht: trotzdem leere Regale. Wo sind die Hamster? Im Blumenladen alles leere Vasen ohne Blumen. Werden Blumen auch gehamstert? Meine Generation kennt so etwas nicht, weiß doch nicht, wie ein leeres Regal überhaupt aussieht! Das ist - als würde der Mond viereckig. Wir gehen öfter raus als sonst, um zu sehen, ob er noch rund ist. Ich weiß, man soll nicht mehr raus! Nun ja, solange nicht per Fußfessel... oder Chip-Implantate... Heute gab es Nachrichten über Hamster bei Getränken, da werden leere Regale gezeigt ohne Getränke. Nicht dass sich dieses Orakel jetzt auch erfüllt! Ich schwöre: An Getränken ist heute noch alles voll!

22. März, Fake und Krieg

Es ist schwierig, keinen Fake-News aufzusitzen, weil sie so schnell Wahrheit werden:

Am 29. Januar: „Spahn warnt vor Panikmache durch Fake-Videos“, „Spahn befürchtet, dass Falschmeldungen und Verschwörungstheorien ‚uns in unserer Debatte, in der Gesellschaft zersetzen wollen‘.“ www.morgenpost.de
„Falschmeldungen und Verschwörungstheorien verstärken die Angst“. www.tagesspiegel.de

Am 14. März warnt das Bundesministerium: „Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit/die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT! Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen.“, www.stern.de.

AM 16. März will Pistorius die Verbreitung von „Fake-News“ bestrafen, www.deutschlandfunk.de.

Am 18. März erste Ausgangssperren und Merkels Ankündigung, eventuell weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Am 21. März will der Bund die Länder teilweise entmachten, www.t-online.de.

Am 22. März beschließen Bund und Länder Kontaktverbot, www.sueddeutsche.de.

Überall schleicht ein Polizei-Auto durch die Straßen, sogar auf schmalen Wegen im Park. Was war das früher: Saßest draußen im Café, kam eine Bande Gauner, als wenn sie einen Sitzplatz sucht, wuselte merkwürdig um dich herum, gucktest irritiert, was die wollten, und stelltest kurz darauf fest, dass der Laptop gestohlen ist. Polizei war niemals irgendwo. Bist direkt in ihre Büros, nahm sie mürrisch ein Protokoll auf, um am nächsten Tag einen Brief zu senden, dass der Fall nicht weiter verfolgt wird. Während die Diebe unübersehbar herumlaufen: arabischen Typs, unwahrscheinlich riesige Rucksäcke, dass man selbst noch mit rein passt. Was bin ich froh, dass jetzt auf Schritt und Tritt um jede Ecke Polizei aufpasst, dass selbst Freundinnen sich nicht nähern!

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23. März, „Wollt ihr die totale Quarantäne?“

Unser Barfußgässchen ist schwer erkrankt: Man kennt es nur voller Stühle und Tische mit dicht gedrängten Menschen, Wein, Kaffee und Cocktails, Passanten immer im Gänsemarsch mittendurch. Ab heute eine tote dunkle Gasse wie in einem abseitigen Gangster-Viertel. Ich setze mich auf den Markt und male. Es gibt noch Menschen, aber immer so weit weg. Das Polizei-Auto zieht seine Kreise. Eine Studentin, langsam schlendernd, mit lautem Handy hört - Ernst Wolff! Erkenne ich sofort: Hedgefonds, Derivate, Finanz- und Wirtschaftskrise.

„95 Prozent der Deutschen finden das Versammlungsverbot zur Corona-Prävention richtig“, www.tagesschau.de. „Bleiben Sie gesund und übrig!“, meint ein Leser. „Schluss mit Gekrittel. Es ist ganz normal, dass sich die Deutschen jetzt hinter ihre Regierung stellen. In dieser Krise ist nicht Gekrittel und Runterziehen gefragt, sondern Solidarität und Vernunft.“, „Das Betreten von öffentlichen Orten ist untersagt. Punkt.“

„QUARANTÄNISIERT EUCH“, sagt so ein cooles Graffity im n-tv , im Artikel gleich daneben geht unsere „Führerin“ mit gutem Beispiel stramm voran, und begibt sich freiwillig in häusliche Quarantäne wie der Feldherr in die Schlacht, es ist ja Krieg, meint Macron, „So retten wir Leben“, sagt Merkel. Es wird der erste Krieg der Menschheit sein, wo man die Kämpfer statt zur Front nach Hause schickt, nicht in den Tod und um zu töten, sondern um Tote zu verhindern, denn „ jeder Kranke und erst recht jeder Tote ist einer zu viel.“, sagt die Polizei, www.gdp.de.

Die Natur ist der Feind, unsichtbar und überall.
Jürgen Hardt (CDU) bleibt in Quarantäne, obwohl er das Virus garnicht hat! rp-online.de. Und so auch Merkel! Sie wurde getestet, negativ, aber möchte in Quarantäne bleiben, regiert jetzt aus dem Home-Office! www.spiegel.de. Aber Krieg macht auch Spaß: RTL startet eine „Quarantäne-WG“ mit Prominenten, im Foto Party-Stimmung auf der Couch! rp-online.de. Wenn Quarantäne so toll ist, wollen wir das dann nicht alle?

Graffity an der Langemarckstraße in Bremen, coronaarchiv.geschichte.uni-hamburg.de

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24. März, Nur das Nötigste

Lange hohe Halle, Läden in tiefem Schlaf, einer am andern, dunkel, mancher nur schummrig beleuchtet, mitten am hellichten Tag, Caféstühle hochgestellt oder umgedreht, Absperrbänder. Leise Wellness-Musik, die uns, jetzt wo alles still ist, zum erstenmal auffällt. Manchmal huscht einer durch die Schatten, steigt die stillgelegte Rolltreppe hoch, zu steile Stufen, ein anderer passiert die untere Ebene. Ganz hinten als einziges geöffnet: Apotheke, Drogerie, Zeitungskiosk und Rewe. Schön hier, wer möchte das nicht malen? Christoph sucht einen Platz, mit Buch und PC, als ich frage: Darf man das noch? Soll das nicht mit Geld bestraft werden? Nein, nur Nordrhein-Westfalen? Wir haben seit Stunden nicht mehr Nachrichten gehört und wissen nicht … Etwas später setzen wir uns dann doch, aber vorsichtig nur halb, nur so auf der Kante, auf dem Sprung. Aquarell und Skizzenbuch, kommt einer, seinen Rucksack zu ordnen - auf unseren Hochern! Mit ihm sehen wir aus wie zu dritt! Das ist verboten! Und ansteckend! Na, lieber so, als George Orwells „1984“. Der Mann geht aber bald. Kurz später ein Aufseher, beschämt, sich dafür entschuldigend, dass er angewiesen ist, uns leider zu ermahnen: Niemand dürfe sich mehr öffentlich aufhalten. Die Menschen dürften nur noch einkaufen, erledigen, kurz das Nötigste, ansonsten zu Hause bleiben. Man darf nicht mehr draußen malen! Im Laden sind wir fast die einzigen. Nach dem Ansturm vor einiger Zeit täglich überall Leere, im Zentrum einer Großstadt! Als bräuchte plötzlich keiner mehr etwas. Woher das Klopapier trotzdem leer ist? Schilder: Pro Kunde nur ein Packen, aber wenn doch garkein Packen da ist? Das Wein-Regal wird auch langsam spack. Die eine andere Kundin nimmt Abstand zu uns, es hieß offiziell ein bis zwei Meter, sie macht das Doppelte draus.
Auf der Rolltreppe kommen wir zufällig mit jemandem zusammen, stehen verbotenerweise schon wieder kurz zu dritt, und er flucht was das Zeug hält auf das Virus - was genau, versteht man nicht - und dabei so überzeugend, dass man ihm nur zustimmen kann, er hat vollkommen recht! Als er weg ist, sehen wir ihm nach: Ein Wahnsinnger! Vom Äußeren eher ein Normaler, der über Nacht wahnsinnig geworden ist. Vielleicht, der sein Geschäft hat schließen müssen oder entlassen wurde, oder die Verbote nicht erträgt? Wir gehen nach Hause. Man darf nicht mehr draußen malen!

25. März, Skypen und Zählen

Frühlingssonne. So viel Platz draußen, so viel Fläche, und drinnen so eng. Christoph wird vom Chef per mail agitiert, zu skypen. Millionen Menschen holen sich gegenseitig per Skype in die private Stube. Wir sehen uns um, welche Ecke man den Gästen am Bildschrim anbieten kann, die Plüschlinge sind ganz aufgeregt. Setzt man sich vors Bücherregal, ans Fenster mit Ausblick, muss vorher noch aufräumen? Wo soll ich denn hin, wir haben ja nur ein Zimmer, habe die Leute nie gesehen. An der Konferenz mit teilnehmen? Oder sieht man mich im Hintergrund Mittag kochen? „Heinz, Essen ist fertig!“ - „Moment, noch einen Satz besprechen.“ - „Schnitzel wird kalt!“ Der Nachbar dürfte sein Techno nicht aufdrehen, das würde den Chef stören. Falls der Chef am Bildschirm auch eine Frau im Hintergrund Mittag kochen hat, könnte ich sie mal fragen, welche Gewürze … Doch die ersten Kollegen melden sich ab oder krank. Eine riesen Krankheitswelle. Ich sitze auch am Laptop mit Nachrichten.

Zählen
Es werden immer mehr Corona-Tests gemacht, und immer mehr Infizierte gemeldet, ob tausend gestern und tausend heute - verfolge ich nun nicht. Nur: Je weiter ich zähle, desto höher wird die Zahl - fand ich als Kind schon faszinierend, heute kannst den Leuten damit Angst einjagen.
Der Schüler fragt nun: „Wenn ich weiter zähle, gibt es also mehr Infektionen? Wäre es besser, nicht zu zählen, damit es weniger Infektionen gibt?“
Lehrer: „Unsinn! Testen führt nicht zu Infektionen, es registriert sie.“
Schüler: „Woher weiß man dann, wieviele Leute wirklich infiziert sind? Viele sind gar nicht krank, kaum einer getestet.“
Lehrer: „Weiß man ja eben nicht. Das macht die Sache so gefährlich.“
Schüler: „Dann sind die täglich gemeldeten Zahlen garnicht von Bedeutung? Ob man so viele zählt, oder so viele...?“
Lehrer, statt: „Ja“, sagt: „Doch! Je mehr Tests, desto mehr Infizierte. Je weiter wir zählen, von desto mehr Infizierten gehen wir aus. Das sind die Zahlen, die wir täglich melden, und je nachdem, wie hoch wir gezählt haben, müssen wir mehr Maßnahmen ergreifen.“ Merke: Je mehr Tests, desto mehr Infizierte, desto mehr Maßnahmen.
Auch die Zahl der Leute, die, wie gesagt wird, mit dem Virus sterben, wird immer größer. Woran sie sterben? Wer weiß das als Laie? Oder ob mehr Menschen sterben als sonst? Überlassen wir das Orwells „Big Brother“ und sehen uns Bilder von Särgen an.

Journalisten, diese fixen Burschen, schaffen’s jeden Tag, Hamster auf frischer Tat aufzuspüren. Vice.com zeigt ein Bild, da hält jemand drei Packen im Arm. „Wir haben Menschen gefragt, warum sie tonnenweise Klopapier kaufen“ www.vice.com. Wir werden Hamster überfallen müssen, wozu sonst zeigen die Medien immer auf die Hamster? Aber die trauen sich nur aus dem Bau, wenn ein Journalist in voller Kamera-Montur auf ihn wartet, wir haben da kein Glück. Im Rewe ist Einlass nur noch für 45 Personen, so viele sind im ganzen Center nicht unterwegs.

26. März, Anzeigen

Die Ernährungsministerin meint, dass die Lebensmittelversorgung sicher gestellt werden müsse.

Cafés haben Leute entlassen, der eine Kellner steht jetzt im Rossmann-Eingang mit Desinfektionsmittel in der Hand und reicht jedem einen frisch besprühten Korb. Jeder wird „aus gegebenem Anlass“ genötigt, einen Korb in die Hand zu nehmen und mit sich zu tragen. Viele finden nicht, was sie suchen, und haben dann statt nichts zu infizieren, den Korb infiziert. Anders in der Apotheke: dort soll nichts kursieren, Bargeld möglichst nicht gezahlt werden, nur die Karte kontaktlos aufgelegt, und sind Scheiben vor die Kassiererin montiert.
Im „Müller“ gibt es Streit: Ein Aufseher schimpft mit einem sehr armen, alten Mann, einem Obdachlosen, der hätte Unnützes gekauft und betritt für so etwas den Laden, der würde damit Menschenleben gefährden!

Fast unmöglich, derzeit keine Menschen auf dem Gewissen zu haben. Sie schleichen so ängstlich um die Regale, als fürchten sie, den Raum mit Fußabdrücken zu verseuchen, da stößt man schnell mal versehentlich um die Ecke zusammen, weil man nichts kommen gehört hat. Man muss froh sein, wenn er dann keine Anzeige erstattet. Und prompt läuft uns einer seitlich rein, entschuldigt sich ergebenst bei uns, völlig erschreckt. Hätten wir Schadensersatz für tödliche Gefährdung verlangt, hätte er uns wahrscheinlich einiges geboten. Aber ich winke ab mit lächelndem „Ach wo!“, da korrigiert er so korrekt seinen Abstand zu uns mit einer Miene!: Ich dachte, jetzt zeigt er uns an, weil wir die Sache für harmlos hielten.

„Bürger melden eifrig Verstöße gegen Corona-Regeln“,
„Wie die Polizei in Oberstdorf berichtete, hatten sich Ausflügler am Riedberger Horn dicht gedrängt am Gipfelkreuz aufgehalten und dadurch gegen die festgelegte Abstandsregel von eineinhalb Metern verstoßen.“
Hausbesuche: „Bei den Kontrollen wurden im einen Fall sechs Personen angetroffen, im anderen Fall zwei Frauen, wovon eine Nachbarin zwar im gleichen Gebäude, aber nicht in derselben Wohnung wohnt. Hier gab es durch die Bank Anzeigen.“
„Generell findet es die Polizei gut, dass die Bevölkerung mithilft. Allerdings sollten bei Hinweisen, in denen es lediglich um Verstöße gegen die Abstandsregeln geht, auf keinen Fall die Notrufnummern 110 oder 112 gewählt werden.“, www.br.de, 25. März.
„Wer gegen die Ausgangsbeschränkungen verstößt, muss laut dem Polizeisprecher mit empfindlichen Bußgeldern rechnen. ‚Wir reden da nicht von Peanuts‘, so der Polizeisprecher. Der Bußgeldrahmen gehe bis 25.000 Euro.“
„Auffällig sei eine gewisse soziale Kontrolle der Menschen untereinander... Das sei gar nicht negativ zu sehen im Sinne von Anschwärzen, sagte die Sprecherin.“, www.br.de, 23. März.

27. März, „Das größte soziale Experiment“

Warme Sonne!
In Sachsen darf man die Wohnung für „Sport und Bewegung an der frischen Luft im Umfeld des Wohnbereichs“ verlassen, www.mdr.de.
Da sah ich mich schon Zeichnen im Joggen, oder bei Yoga-Übungen im Kopfstand nebenbei malen. Läuft doch tatsächlich eine ältere Dame auf Absätzen forschen Schrittes mit Armen in Joggerhaltung, so aktiv die Schultern schwenkend, dass ihr Spaziergang für aller Augen Sport darstellen soll, frisiert, Handtäschlein, nicht illegales Spazieren, lächelnd wie Eiskunstläufer, dass kein Zweifel an ihrer Überzeugung sein soll, ja wäre die Politik ihr nicht zuvor gekommen, sie hätte die Verordnungen selbst gemacht.

Je nachdem, wo man einkaufen geht, muss man mit triftigem Grund durch den Park, und wo gerade kein Polizei-Auto war, habe ich mich gestern getraut, stehen zu bleiben und zu zeichnen. Etliche saßen einfach auf der Wiese, und die Trödelei mancher kann man auch nicht gerade als Bewegung bezeichnen. Plötzlich: das Polizei-Auto direkt hinter mir! Es versuchte, da ich im Weg stand, vorsichtig vorbei zu kommen. Schnell habe ich Platz gemacht, die Polizisten äugten im dichten Vorbeifahren neugierig in mein Skizzenbuch, und es geschah - nichts! Man darf also draußen auch malen. Aber „im Umfeld des Wohnbereichs“. Es hieß mal fünf Kilometer. Kontrollen: 31 Verstöße am Cospudener See. Wenn man bedenkt! Die DDR hatte Platz von der Ostsee bis zur Sächsischen Schweiz. Und nun entschuldigt sich die Polizei, sie sei sich in der Sache mit der Entfernung uneinig gewesen, die Leute seien jetzt keine Straftäter, sondern Prüffälle.

Heute kurz Skizzen: Leute schwatzen auf Abstand - brauchen bald Telefon.
Und in der Sparkasse die Angestellte in Latex-Handschuhen, während sie für Christoph Geld umbucht. Diese Latex-Handschuhe sind jetzt in, tragen die Kassiererinnen alle. Morgen sind sie bestimmt in diesen Cyber-Anzügen totalvermummt wie Virologen im Hochsicherheitstrakt eines Virenzuchtlabors.

„Auf einigen Videos schlagen Polizisten Männer mit Schlagstöcken oder zwingen Anwohner, sich gegenseitig Ohrfeigen zu verteilen. Auch wenn einige Userinnen und User das harte Vorgehen in den sozialen Netzwerken kritisieren, sind andere der Meinung, dass eine Tracht Prügel durchaus gerechtfertigt sei, um die Leute zu zwingen, wegen der Corona-Epidemie zu Hause zu bleiben.“, www.tagesschau.de.
Unsere „Tagesschau“ nennt es euphorisch: „Das größte soziale Experiment der Welt“!

„Je härter die Maßnahmen, desto besser“, Mathematiker W. Bock, www.ZEIT.de, 31. März.
Veränderte Prämissen: Herden-Immunität, flache Welle, Krankenhäuser entlasten war gestern, heute Ausrottung des Virus, „Wer will, dass Corona in einem Jahr weitgehend verschwindet, dürfe jetzt nicht lockerlassen.“, ebd., „meine Damen und Herren, wir können und werden das Virus besiegen.“ „Jede und jeder Einzelne leisten in diesen Stunden einen Beitrag, damit wir dieses Virus schnellstmöglich besiegen.“ Dietmar Woidke, Bundesratsrede, 27. März.

Kritik - eine fahrlässige Handlung

Das RKI lässt sich die Todes-Zahlen übermitteln, aber: „Angaben zur Todesursache werden in diesem Kontext nicht dringend benötigt.“, zur pdf, RKI, S. 9.

Man weiß also nicht, wen das Virus auf dem Gewissen hat. Oh doch, Verzeihung, die Medien wissen es: „Jeden Tag sterben in Europa Hunderte Menschen an der vom Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19.“, „Jeden Tag verlieren Hunderte ihr Leben durch das Coronavirus. Die Bemühungen, die Seuche in den Griff zu bekommen, sind fraglos - auch in ihrer Schärfe - richtig und notwendig.“, www.n-tv.de, 28. März, sagen so gut wie alle Sender. Dieselben warnen vor Fake-News!

„Die Kohlmeise ist von der Blaumeise dadurch unterschieden, daß sie blau ist.“ (Galletti)

Im Januar musstest du sagen: „Symptome, die tendenziell mit Reizhusten, Atemnot und Fieber einhergehen. Wenn man das hier in Deutschland bekommt, muss man sich keine Sorgen machen, dass man dieses neue Virus hat. Dann ist es viel wahrscheinlicher, dass man [...] eine Grippe hat.“, www.morgenpost.de.

Jetzt: „‚Ist doch nur die Grippe' und andere gefährliche Behauptungen“, www.rbb24.de.
Aber nicht Drosten, sondern: „Michael Spitzbart, Wolfgang Wodarg und Sucharit Bhakdi vertraten im März 2020 die Ansicht, COVID-19 sei nicht schlimmer als frühere Grippewellen.“, wird später im wiki zu lesen sein.

Ein Video von Dr. Marc Fiddike wurde schon aus dem youtube gelöscht, Dr. Wolfgang Wodarg zerrissen, andere nicht sehr wahrgenommen, Dr. med. Claus Köhnlein, Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi und Christian Mang von der Joh.-Gutenberg-Uni in Mainz. Hört man den Genetiker Josef Penninger oder immer wieder verschiedenste Fachleute, hat man den Eindruck von einem recht unschönen, aber selten letalen Virus.

„New Orleans erwartet einen Albtraum“, www.tagesschau.de, „explodierende“, „schwindelerregende“ Zahlen klingt natürlich viel aufregender als Herrn Wodargs „Stoppt die Corona-Panik“.

Nichts gegen Panik! Nicht, was die NZZ sich erlaubt: www.nzz.ch: „Coronavirus: Vergleiche sind wichtig“. Ich habe kaum gewagt, es ins Facebook zu pinnen, da hat’s, wen wundert’s, gleich jemanden verärgert: „Natürlich ist eine kritische Einstellung zu allem gut, aber jetzt mal Klartext: Hier ist Ernstfall angesagt. In zwei Wochen sind unsere Intensivstationen mit Schwerkranken überfüllt, die Ärzte und Schwestern am Anschlag. Wer jetzt noch verharmlost, handelt fahrlässig.“
Melde gehorsamst, Kritik ist eine fahrlässige Handlung. Wenn jemand stirbt, dann weil ich etwas gegen Panik gesagt habe. Um Gottes Willen, machen wir weiter Panik!

Kritik ist gut, aber nur so zum Spaß. Im Ernstfall „aber jetzt mal Klartext“! Wer sagt, Panik vergrößere den Schaden, verharmlost die Sache. Ein noch größerer Schaden ist eine Verharmlosung. Das Virus ist allem, selbst dem größeren Schaden, noch überlegen, unübertreffbar, einzigartig, da kann man nur beten - wobei, so darf man’s nun auch wieder nicht sagen, dann wäre der Kaiser ja nackt.

28. März, Gegen das „Abhören ausländischer Sender“

„Der fehlende Part“ zeigt leere Straßen, ein Polizei-Auto quäkt aus Lautsprechern die letzten Passanten an, dass man sich am Bildschirm erschreckt wegducken will: „Wir möchten Sie darüber informieren, dass die sehr dynamische Verbreitung des höchst-infektiösen Coronavirus eine Gefahr für uns alle ist. Beachten Sie, dass sämtliche sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren sind.“ Existenzen sind bedroht, Dr. med. Köhnlein wird interviewt, youtube .

Obwohl's hier in Leipzig auch so aussieht, darf man das so nicht betrachten. „Recherchiere doch bitte die Quelle ‚der fehlende Part‘, die Moderatorin des Youtube-Kanals Jasmin Kosubek und den Auslandfernseher RTDeutsch“, mahnt mich die Bekannte. „Mir stellt sich die Frage, ob diese Quelle seriös ist.“ Natürlich nicht! Schon die „Meldungen aus dem Reich“ haben vor russischen „Lügennachrichten“ gewarnt, „Fremdnachrichten“. Wir sollten auch heute das „Abhören ausländischer Sender“ am besten verbieten, diese Interviews gegen ein angriffslustiges Verteidungsbündnis oder gegen Bargeldverbot und Überwachung. „Die EU will Europas Demokratien vor Fake News und gezielter Desinformation aus dem Ausland schützen.“, www.welt.de. Ein Digitalisierungsplan soll uns die Entscheidung abnehmen, was und wem wir glauben. Diese unseriösen Sender werden dann einfach von vornherein nicht mehr sichtbar sein.

28. September 2021
„YouTube sperrt Kanäle von RT Deutsch“, www.tagesschau.de.
„Video unavailable. This video is no longer available because the YouTube account associated with this video has been terminated.“

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29. März, „Führung“, „Mission“, „Lösung“ - „wie sich die Reihen schließen“

„Führen oder fallen. Merkel ist zurück“

„Dieses Ereignis überstrahlt alles bisher Dagewesene. Klar ist seit ihrer Rede auch, welchen Anspruch sie in der Krise erhebt. Ihre Ansprache ist wie aus einem Lehrbuch für Führungskräfte.“

„So gewinnt man Menschen für eine Mission, so macht man sie selbst zum Teil der Lösung.“

„Seit dieser Rede ist klar, dass die Kanzlerin einen unbedingten Führungsanspruch hat und es ist unwahrscheinlich, dass dieser an den Grenzen Deutschlands endet.“

„Die Opposition steht hinter der Regierung.“

„Deutschland wird als treibende Kraft in Europa aber eine entscheidende Rolle beim ‚Wiederaufbau‘ spielen.“

„Im Inneren zeichnet sich das Verlangen nach Führung bereits ab.“

„Die Politik sammelt sich in der Krise parteiübergreifend hinter der Exekutivgewalt. Die Regierung führt, die anderen folgen.“

„Auch in der Bevölkerung schließen sich die Reihen.“

„Laut ARD-Deutschlandtrend stehen 95 Prozent der Deutschen hinter einer Kontaktsperre. 75 Prozent sind demnach zufrieden mit dem Krisenmanagement der Regierung. Regierungspolitiker wie Merkel oder Spahn gewinnen massiv an Beliebtheit. All das deutet darauf hin, dass parteipolitische Differenzen an Gewicht verlieren. Wie bei den Oppositionsparteien wächst das Ansehen der Exekutive auch in der Bevölkerung. Das ist sicher nicht ausschließlich aber durchaus in großen Teilen erklärbar mit dem Wunsch nach Führung.“

„Wer kann diese Fußstapfen ausfüllen?“

Eine Analyse von Benjamin Konietzny, www.n-tv.de

Münchener Abendzeitung
„Ein besonders dreister Fall hat sich an der Ruderregattastrecke ereignet: Hier machte die Polizei Lautsprecherdurchsagen, in denen auf die aktuellen Regelungen hingewiesen wurden. Doch eine vierköpfige Gruppe zeigte sich davon gänzlich unbeeindruckt und lag weiterhin auf einem Steg am Ostufer der Regattastrecke. Als die mehrere Polizisten näher kommen sahen, sprangen sie plötzlich auf und machten ‚Hampelmänner‘ an Ort und Stelle. Sportliche Betätigung ist nämlich in gewissen Fällen erlaubt.
Die Gruppe dachte wohl, mit ihren Sportübungen eine Strafe umgehen zu können. Doch es half nichts, alle vier wurden wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz angezeigt.“, www.abendzeitung-muenchen.de.

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30. März, Die Fallenden

Der hessische Finanzminister hat sich das Leben genommen …

Diese kollektiven Launen: Vor ein paar Tagen sind viele neben den Parkwegen im Gras gelaufen, um nicht jemanden anzustecken. Heute wieder mutiger: „Ach, der Weg ist doch breit genug. Wer hat sich hier je anstecken sollen?“

Während „Big Brother“ die Amazons abräumen lässt und die Kleinen aufs Zimmer schickt, schlagen sich letztere mit dem Virus herum. Genauer gesagt, mit dem, was sie aus den Medien davon hören. Und wenn die Billionen von oben sprudeln, wären Notleidende alle gerettet. Wir wären so reich, dass wir andere Länder mit retten müssten - Fallende wollen Fallende im Fallen retten. Philanthropen - für härtere Strafen, längere Ausgangssperren, mehr Überwachung und Kontrolle von oben. Wird doch keiner dagegen sein? „Ich habe nichts zu verbergen.“

„In einem Fall traf die Polizei am Sonntag gegen 14.40 Uhr an einem Biotop in Oberschleißheim zwei Erwachsene und ein Kind an: Sie hatten dort ein Zelt als Nässeschutz für das Kind aufgebaut und genossen die Natur. Das ist kein triftiger Grund im Sinne der Ausgangsbeschränkung, zwei Anzeigen waren die Folge.“, www.abendzeitung-muenchen.de.

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31. März, Ein Kind apelliert

„Die kleine Giulia“ „appelliert“ an Söder.

„Sehr geehrter Herr Söder […] Ich hätte eine große Bitte, könnten Sie die Ausgangsbeschränkung verlängern? Denn die Pflegekräfte riskieren täglich ihr Leben im Kampf gegen das Coronavirus und das sollte nicht umsonst sein […] es wäre nicht schön, wenn so viele Menschen daran sterben. Wir sollten zusammen kämpfen. Danke das Sie für uns da sind.“

Söder, „so beeindruckt“:
„Der kleinen Giulia kann ich das an der Stelle, da sie mir den Brief geschrieben hat, ausdrücklich nochmal sagen: Wir tun das jetzt.“
„Unsere Kleinen sind manchmal die Klügsten.“
t-online

Der Fachkräftemangel ist in der Tat sehr groß. Merkel berät sich mit Greta, „Am Rande des UN-Klimagipfels in New York trafen sich die beiden, saßen nebeneinander und unterhielten sich.“, focus.de, 18.10.2019, „Nach der sehr emotionalen Rede von Greta (‚Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens‘) zum Auftakt der UN-Klimakonferenz am Montagnachmittag, ging Merkel in ihrer dreiminütigen Rede anschließend direkt auf die 16-jährige Schwedin ein (‚Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört!‘)“, 24.9.2019, ebd.

Ein Brief, als Hausaufgabe für den Lehrer gedacht, fand zu Söder und in die Presse. Am 30.3. geschrieben, gleich zu Söder gelangt, schon am nächsten Tag früh um 8 veröffentlicht samt Söders Entscheidung! Ein Eilbrief mit Stempel?: Höchste Dringlichkeit, die kleine Giulia appelliert?
Mit Kinderbildchen verziert, Blümchen, Sonne, Herzchen, in Kinderhandschrift reife, wahre Worte, „im Kampf gegen das Coronavirus“, Leben riskieren, Mama arbeitet im Pflegeheim, so viele Menschen sterben, „Wir sollten zusammen kämpfen“. Perfekt. Einfach perfekt. Wer könnte da nein sagen?

„Angela Merkel kritisiert Greta Thunberg - doch das geht ordentlich nach hinten los“, „Angela Merkel spricht über Greta Thunbergs Auftritt beim Klimagipfel in New York. Sie findet Positives, übt aber auch Kritik. Dafür kriegt sie einen Shitstorm ab.“, „Sie sei zwar von der Rede bewegt gewesen, aber ihr fehlten konkrete Vorschläge der Klimaaktivistin.“, merkur.de, 26.9.2019.

1. April, Präzedenzfall

Momentan sind die Preise noch normal, nur hier und da manche Gläser mit Würstchen schon 5 bis 6 Euro. Na, mit Schubkarren voll Banknoten werden wir nicht zum Konsum müssen, das geht alles digital. Die Kassiererin, in Latex-Handschuhen, mit Desinfektionsmitteln ausgerüstet, ist hinter Warnzetteln verschanzt: Man soll möglichst nur die Karte aufs Gerät legen und elektronisch zahlen. Schweigende Schlange, korrekte Abstände, mancher in Maske - ich fürchte, würden sie ein Scheinchen aus unserer Hosentasche lugen sehen, würden sie uns lynchen und steinigen wegen versuchten Mordes durch Bargeld. Die Krankenhäuser brechen zusammen, weil wir bar zahlen wollten. Da blitzen überall aus alarmbereiten Augen rot gefärbte stachelige Dinger, wie sie die Medien groß auf jedes Bild drauf pinnen. Man hätte ein Virus-Modell auch grün oder hellblau färben können, aber damit die Lage unmissverständlich klar ist, werden dazu vollvermummte Ärzte im Ausnahmezustand gezeigt, Sirenen, Särge und Militär.

Für die Nachwelt muss man sagen: Im Alltag haben wir weit und breit noch keine Opfer persönlich erlebt, ich kenne auch niemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, nicht wie in den Bombennächten, die Sirenen sind still - es gibt auf leeren Straßen wohl weniger Unfälle. Auch diese astronautischen Tüten-Anzüge mit Röhrenschnorcheln und Sauerstoffflaschen wurden außer in den Medien noch nicht weiter gesichtet. Eine Doppelwelt, zwei Wahrheiten, Parallelwelten in jedem Kopf.
Halten wir uns an die Prophezeiung: Der Ansturm steht nämlich erst bevor! Versammlungsverbote, Kontaktverbote, gelöschte Kritiker, horrende Strafen und Militär gegen ein Vi … - Moment, welcher Ansturm steht uns bevor? „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ (Henry Ford)

Oder ist’s Rainer Mausfelds „Warum schweigen die Lämmer?“? Wobei, so agressive Lämmer: Wir müssten jetzt nur mal einen Moment alle gemeinsam für die gute Sache anpacken, keiner dürfe ausscheren, eine Einheit, „Schluss mit dem Gekrittel“. Absurd, was manche in der düsteren Historie wühlen, „empörender Vergleich“, „Solche Gleichsetzungen mit der NS-Diktatur und dem Holocaust dienen dazu, Aufsehen zu erregen, andere zu diffamieren oder sich selbst als Opfer zu profilieren.“ www.faz.net, „Spiralen der Entrüstung“, 23.3. Der vernünftig denkende Mensch gehorcht. Heute ist’s fürs Gute, die ganze Welt geeint zusammen, samt Ächtung uneinsichtiger Elemente, eine sogeannte Rettung, wer das nicht einsieht, solle doch am besten am Virus verrecken. Es gäbe keine Alternative, und dann sei’s überstanden. Ein Präzedenzfall - überstanden?

Hashtag WirBleibenZuhause. Machen Sie mit

„Setzt mit uns ein Zeichen. 92 Personen des öffentlichen Lebens sind schon dabei.“
„Drehen Sie einen kurzen, motivierenden Clip (ca. 30 bis 60 Sekunden), in dem Sie allen sagen, warum Sie zuhause bleiben: ‚Ich bleibe zuhause. Weil ...‘. Wenn Sie mögen, können Sie gern am Ende Ihres Statements die gemeinsame Geste aller Kampagnenbotschafter machen: die Hände und Unterarme wie ein schützendes Dach über dem Kopf zusammenlegen.“

„Ich bleibe zu Hause, weil meine Mitmenschen es mir wert sind“, strahlt Deborah Rosenkranz, uns die Züpfelmütz-Geste vorführend.
„Sie können ein schönes Buch lesen“, bekniet uns Uschi Glas,. „Sie können kochen, Sie können aufräumen, man kann so viel tun, man kann singen, man kann auch im Wohnzimmer tanzen, aber bitte bleiben Sie zu Hause.“ - so tanzen wir im sogenannten Wohnzimmer, bzw. Wohn-Arbeitsplatz-Küche zwei Schritte vor, zwei zurück, ein Stündchen lang im Kreis, wie der Schimpanse im Zookäfig. Der Sportler Goretzka ist ein gutes Vorbild, besitzt sein privates Fitness-Studio, worin er meisterhaft Liegestütze vorführen kann, knapp am Weltrekord vorbei, wie er meint, aber „möglicherweise bleibt uns ja noch bisschen Zeit zu Hause.“ mit motivierender Daumen-hoch-Geste.

Ein gutes Gefühl
Ich sehe aus dem Fenster. Draußen weite Flächen, sonnig, menschenleer. Im Park war immer viel menschenleere Wiese. Bisher verlief Ansteckung eher drinnen, Familie, Kollegen, Kontakte, aber Corona ist anders: „nochmal ein großer Apell: Bitte bleibt zu Hause. Grade die Leute, die nicht draußen sein müssen. Bleibt bitte zu Hause […] Und es gibt so viele Leute, die draußen sein müssen, die ganzen Kassierinnen, das ganze Gesundheitspersonal, die Lieferanten, Apothekerinnen, und und und und und, so viele Menschen, die da draußen wirklich dafür kämpfen, dass das System einfach am Laufen bleibt, das sind wirklich Helden. Ich danke euch wirklich, dass ihr das macht, und dass ihr für uns da seid, das ist ein gutes Gefühl, ein gutes Gefühl von Zusammenhalt. Und an alle anderen bitte seid respektvoll und bleibt zu Hause […]“, meint eine Jeanette Biedermann, und es klappt hervorragend: Die Kassiererin, tatsächlich fast die einzige „da draußen“ vor ausgedünnter Theke, hat ratlos, mit großen Sorgen die Schultern gezuckt: keine Kunden, die Ware verfallen, nun nicht mehr bestellt, Entlassungen, Existenzangst, Amazon. - Woher ich das weiß? Ich muss schamvoll gestehen, dass wir als einige der Letzten in physischer Präsenz „da draußen“, sozusagen „respektlos“ einkaufen waren, und möchten uns entschuldigen, das gute Gefühl von Zusammenhalt gestört, gewissermaßen die Zersetzung der Gesellschaft provoziert zu haben.

Zum Glück gezwungen
„bleibt auf jeden Fall zu Hause, bitte! Danke!“, mahnt Party-DJ Ötzi.
„Ich finde das jetzt grade eine unglaublich tolle Chance, einfach wieder entspannter an Dinge heranzugehen […] Und außerdem genieße ich grade sehr die Zeit mit mir selbst und auch trotzdem den Kontakt mit meinen Freundinnen. Auch wenn wir zwar nicht nah beisammen sind, können wir trotzdem uns so viel Kraft und Zuneigung geben und das auch über eine Distanz. Und das ist ein ungewöhnliches Gefühl, aber trotzdem was wunder-wunderschönes, dass man nicht alleine ist.“ - Ich werde mir der Tragik bewusst, warum die Regierung uns nicht immer schon zum Glück gezwungen hat.

„Zusammen gegen Corona. Wir bleiben zu Hause. Eine Aktion des Bundesministeriums für Gesundheit.“

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2. April, Stehen

Ob bei schönster Frühlingssonne so wenige im Park sind, weil keiner weiß, was noch erlaubt ist?
Wir sind schon auf dem Rückweg, als wir von Ferne sehen, wie drei Gestalten aus einem Auto steigen, Polizisten in schwarzer, massiver Rüstung. Ein weißes ziviles Auto. Mit aufgeblasen abstehenden Armen - können vor Kraft kaum gehen - auf ein Pärchen im Gras zu. Was hat es denn falsch gemacht? Sie sind zu zweit, ein Pärchen! Leute wenden sich um, bleiben sogar stehen. Wir hören nichts, aber sehen, wie das Pärchen aufsteht, unter polizeilicher Obhut seine Sachen einsammelnd. Wie es eben noch einig beisammen saß, verlässt es vereinzelt die Wiese, als wäre nicht nur das Sitzen verboten.

Polizisten wieder ins Auto. Ein elektronisch lautlos, langsam wie eine Katze schleichendes Auto. Dort sitzen Leute auf Bänken! Das Auto zieht vorüber, auf Bänken darf man also sitzen.

Da kommen zwei Rentnerinnen und überholen mit Walking-Stäben ein anderes Paar viel zu nah und zu langsam, sekundenlang als wären sie zu viert! Und noch eine Studentin, joggt, ebenfalls zu nah, sind es fünf. Aber - das Auto zieht vorüber. Wieder Erleichterung! Und Schreck: Die nächsten sind wir! Überleg, was wir hier machen wir, stehen - ist das verboten? Sehen wir deutlich genug wie ein Paar aus? Sollen wir das beweisen? Aber: das Auto zieht vorüber.

Und dort hinten sitzen doch wieder Leute auf der Wiese, eine Mutter mit zwei Mädchen. Tatsächlich hält das Auto. Die gerüsteten Polizisten steigen aus, steuern auf die Familie zu, bauen sich vor ihr auf, in dicker, schwarzer Montur von oben herab. Ich würde kündigen, wäre ich Polizist. Der Trupp steigt wieder ein, schleicht weiter. Die Familie sitzt noch. Ach, darf sie? Nein, verzögert hilft sie sich aus ihrer Starre, wird zu drei nebeneinander stehenden Gestalten auf weiter Flur. Erlaubt ist, dass sie stehen.

Vielleicht geht das Virus nur auf Sitzende? Die Mutter schüttelt die bunte Decke aus, die Mädchen vollführen halbherzige Zirkus-Übungen, Radschlagen und Purzelbäume, aber so merkwürdig still. Auch uns verschlägt’s die Sprache. Alles so leise.

Wir gehen weiter, ein Ründchen Schreck weg laufen, als uns einfällt, dass wir eigentlich auf dem Rückweg waren, also wieder kehrt, zum Rückweg. Die Familie immer noch da, die Mutter immer noch stehend, Mädchen am Turnen. Die wenigen Parkbänke immer besetzt!

Der einzige Zweck, nicht auf der Wiese ruhen zu dürfen, könnte sein, dass die Turnerei nicht lang durchzuhalten ist. Nur ein paar mal im Kreis laufen, etwas Ball spielen, aber um zwischendurch ruhen zu können, müssten die Leute nach Hause. Das wird es sein, warum so wenige draußen sind!

3. April, Latex und Polster

Sitzt doch jemand im Center! Was ich neulich nicht durfte!
Nur kurz erledigen, das Nötigste, einkaufen. Deshalb sieht unser Einkauf momentan so aus, dass ich an jeder Ecke anhalte und, auf den Einkaufswagen gestützt, zeichne. Weil das nicht ganz so fix geht, dreht Christoph lauter Extrarunden um die Regale und entdeckt immer etwas Neues, so viel hatten wir gar nicht vor, einzukaufen … Am Ende gab’s die Hamsterkäufe wegen Künstlern?

Latex-Handschuh-Mode
Man meint, es sind alles Zahnärzte. Angefangen haben Kassiererinnen und sogar Security, die eigentlich nichts anfasst, nur am Eingang steht. Nun tragen das auch Kunden, zwar die Minderheit, aber die Mode ist erst im Kommen. Ein Student in Schwarz hat sich den Schal über Mund und Nase gewickelt, statt Latex gefütterte Ski-Polster-Handschuhe für Minus 30 Grad, kommt sicher kein Virus durch, wenn er sich von der Packung Käse aus der Truhe eins einfangen sollte.

Besteht die Gefahr, dass sich das an den Händen in den Körper hinein frisst, falls man damit in Berührung kommen sollte? Oder geht das auf dem Handschuh sofort kaputt, wenn ich mir unbedacht die Nase kratze? Oder passiert versehentliches Kratzen gar nicht erst, weil es sich mit Latex oder Polster nicht gut an der Nase kratzen lässt? Das muss ich zeichnen: Die Frau mit Latexhandschuhen ans Handy, sich ins Gesicht, an die Ware, hin und her, aber sag, das wär Hygiene.

Bhakdi versucht beharrlich, der Angst schürenden Politik beruhigende Tatsachen entgegenzusetzen, und wendet sich in einem offenen Brief an die Kanzlerin, youtube. Man bräuchte eine Studie, in der man in einem Umkreis alle Menschen testet, wird feststellen, dass viele Infizierte eben kein Krankenhausbett brauchen, weil sie gesund sind, und dass die Sterberate schon viel kleiner aussieht, als wenn man wie bisher nur Kranke testet. Und wie sich der Laie schon dachte, ist es doch ein Unterschied, ob jemand „mit“ oder „am“ Virus stirbt. Na, den Medien und der Politik wird etwas einfallen, damit die Repressalien nicht für umsonst gewesen sind, oder wie Bhakdi sagt, „gefährlich“.

5. April, „Die gewünschte Schockwirkung“

Achtung, geheim! Es soll eine Handreichung sein für Herrn Seehofer und die Presse. Wir wollten's bezweifeln, weil … nun ja, es klingt wie von einer Grundkurs-Studentin, hätten nicht unsere Qualitätssender dieses Papier durchaus erwähnt und verwendet. Versuchen wir, es ernst nehmen.

„Worst Case verdeutlichen!“ mit Ausrufezeichen (Kap. 4 a). Man will uns einen Schock verpassen.
„Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden“, etwa so:

„Viele Schwerkranke werden von ihren Angehörigen ins Krankenhaus gebracht, aber abgewiesen, und sterben qualvoll um Luft ringend zu Hause. Das Ersticken oder nicht genug Luft kriegen ist für jeden Menschen eine Urangst. Die Situation, in der man nichts tun kann, um in Lebensgefahr schwebenden Angehörigen zu helfen, ebenfalls. Die Bilder aus Italien sind verstörend.“

Kinder Schuld
Man redet Kindern ein, dass sie das Gefühl haben könnten, Schuld am Tod der Eltern zu sein.
„Kinder werden sich leicht anstecken, selbst bei Ausgangsbeschränkungen, z.B. bei den Nachbarskindern. Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.“

Die Unsicherheit
„Selbst anscheinend Geheilte nach einem milden Verlauf können anscheinend jederzeit Rückfälle erleben, die dann ganz plötzlich tödlich enden, durch Herzinfarkt oder Lungenversagen, weil das Virus unbemerkt den Weg in die Lunge oder das Herz gefunden hat. Dies mögen Einzelfälle sein, werden aber ständig wie ein Damoklesschwert über denjenigen schweben, die einmal infiziert waren.“

So im Bundestagsjargon:
„Wir müssen wegkommen von einer Kommunikation, die auf die Fallsterblichkeitsrate zentriert ist. Bei einer prozentual unerheblich klingenden Fallsterblichkeitsrate, die vor allem die Älteren betrifft, denken sich viele dann unbewusst und uneingestanden: ‚Naja, so werden wir die Alten los, die unsere Wirtschaft nach unten ziehen, wir sind sowieso schon zu viele auf der Erde, und mit ein bisschen Glück erbe ich so schon ein bisschen früher‘“
- so im Bundestagsjargon. Wer drückt nochmal die Renten?

Hier geht es zum Dokument: fragdenstaat.de
Die Presse erwähnt das Papier: www.tagesschau.de, 27. März / www.spiegel.de
Laut Taz berichteten schon die Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR über das „vertrauliche“ Strategiepapier, das laut Seehofers Ministerium aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei: taz.de

„Die gewünschte Schockwirkung“

In Deutschland berechnen wir die Fallsterblichkeit so, dass sie mit der von China und Südkorea übereinstimmt:
„Wenn die Fallsterblichkeit unter diesem Wert liegt, muss davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der Toten nicht richtig gezählt wird. Wenn die Fallsterblichkeit darüber liegt, Tote * 100, so viele Fälle müssten wir finden. Um sie zu finden, braucht man unter sehr guten Bedingungen 20* mehr Tests als die Anzahl der Fälle, die man finden möchte.“

„Ja, das versteht ihr nicht. Die Höhe eines Berges wird erst in Meilen angegeben, und dann wird die Kubikwurzel herausgezogen.“ (Galetti)

Es folgt ein Rechenbeispiel, jedenfalls braucht man so oder so viele Tests, um die gewünschte Zahl zu finden, bzw. „um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.“ - Man erzielt das gewünschte Ergebnis. Man wünscht sich diese Zahl (Kap. 4 c 1), soweit können wir folgen.

Jetzt geht es um die Wirtschaft. Die sei anfällig „wie ein Hochleistungsmotor“. Im Normalbetrieb seien kleine Störungen kein ernsthaftes Problem, doch:
„Diese ‚normale Welt‘ ist jetzt aber außer Kraft gesetzt, wir sind auf unbekanntem Terrain.“ (Kap.3)
- Klingt wie ein Drehbuch zu einem amerikanischen Science Fiction. Regieren ist Fun. Besonders aus dem Home-Office. Nebenbei: Merkel ist mittlerweile wieder draußen.
„Sollten die hier vorgeschlagenen Maßnahmen zur Eindämmung und Kontrolle der Covid-19-Epedemie [sic] nicht greifen, könnten im Sinne einer ‚Kernschmelze‘ das gesamte System in Frage gestellt werden. Es droht, dass dies die Gemeinschaft in einen völlig anderen Grundzustand bis hin zur Anarchie verändert.“
- das haben wir befürchtet, wir dachten, Anarchie durch Maßnahmen. Glücklicherweise hat man im Dokument vor, diese Folgen so gering wie möglich zu halten.

Es gibt jetzt 4 Szenarien, offenbar rein fiktiv, angenommen:

Man verhängt Ausgangsbeschränkungen für 1,5 Monate und geht davon aus, dass die Fallsterblichkeit deutlich herunter geht. (Szenario 1)
Oder man geht davon aus, dass die Epidemie nicht eingedämmt wird und Ausgangsbeschränkungen bis zum Jahresende gelten. (Szenario 4)
Oder es gibt Hin und Her, mal so, mal so, mit schlechten Folgen (Szenario 2 und 3).

Auf welcher Grundlage auch immer wird also die Epidemie bei kürzestem Shutdown eingedämmt, aber bei längstem breitet sie sich aus? Oder anders: Nachdem man nichts eindämmt, nachdem alles infiziert ist, werden Ausgangsbeschränkungen verhängt - wozu auch immer dann noch - und zwar für den Rest des Jahres? Immerhin wird erkannt, dass letztere Idee nicht gut durchsetzbar ist.

Daraus folgt: „Die Abschätzungen zeigen bei allen Unsicherheiten, dass unter allen Umständen auf Szenario 1 (‚Schnelle Kontrolle‘) hingearbeitet werden muss.“ (Kap. 3, Bewertung).

Wer auch immer dieses Drehbuch schreibt, ich schließe mich ihm an: Wir sollten den Film so drehen, dass kurze Beschränkungen sind und wenig Tote, nicht viele Tote und lange Beschränkungen. Hier geht es zum Dokument

7. April, Der Schützenverein

Ziel gesteckt, Bogen gepannt, abgeschossen, erledigt.
Jeder spannt seinen Bogen per Facebook, Twitter, Whats-App, und pinnt seinen Pfeil an das gesteckte Ziel. Aktuell an die Krankenschwestern: „Seht, das sind unsere Retter! Opfern sich für uns und arbeiten bis zum Umfallen!“
In Medien fliegen Krankenschwestern wie Superman mit Mantel durch die Luft, Leute applaudieren und jubeln von ihren Balkons. Trefflich, trefflich, fühlt sich großartig an. Bis das Fest vorbei ist, wer fragt dann noch nach Krankenschwestern?

Krankenschwestern sind eine absolut neue Erfindung. Gestern: Hundertfünfzig Überstunden im Jahr, Einspringen an freien Tagen, manchmal keine Zeit zum Essen, wichtige Arbeiten nicht zu schaffen, Schuld an allem sein - - - Achselzucken, als rede ich von einer individuellen Befindlichkeit: Tja, hat jeder sein Päckchen zu tragen. „Systemrelevant?“ Das Wort gab’s nur für Banken.

Aber jetzt! Da sind sie plötzlich, die überlasteten, zum ersten mal systemrelevanten, wie Ikonen zur Verehrung in jedem Account gepostet.

H: Ach, hier ist alles ganz entspannt. Na, die OPs sind doch wegen Corona alle abgesagt worden, wir haben nur noch die wichtigsten Fälle. Gab immer viel zu viele OPs für die Profite. Ja, zu tun ist trotzdem genug, wird ja alles umorganisiert. Es ist eine Corona-Station eingerichtet worden. Du, die sehen dort aus wie im Fernsehen, total vermummt in diesen Anzügen, gibts wirklich! Ansonsten wartet man jetzt auf Patienten, man sagt ja, die große Welle kommt demnächst dann. Einen Patienten mit Corona haben wir schon. Oder vielleicht will man Italiener herholen, wird so gemunkelt.

7. April, Zwölf-Stunden-Tag?

H hat jedes zweite Ostern frei, aber nun, allein, ohne Besuch, ohne Kinder, ohne das Enkelchen … Töpfermarkt, Kaffe-Klatsch, alles verboten. Ob der Kleine sie danach überhaupt noch kennt, hat sie gesagt - und, um nicht zu traurig allein zu sein, auf der Arbeit gebeten, ob sie auf ihr Frei verzichten darf. Das Krankenhaus hat sogar schon Rentnerinnen angerufen, ob sie nochmal arbeiten kommen, bekanntlich gibt es diese Durchhalter, die das mit Bandscheiben- und Knie-Ops, Chemos und Blutdrucksenkern vielleicht noch bis siebzig schaffen.
Seit Jahren sind die Schwestern immer mal am Streiken, das heißt, natürlich nicht so arg wie die Schulkinder. Schwestern haben noch nie Patienten liegen lassen. Sie lassen das schöne Wetter und ihr Gärtchen, kommen vors Krankenhaus und streiken in der Freizeit, damit das niemandem schadet - hat sicher viel genützt, sind weniger Stellen abgebaut als sonst abgebaut worden wären, vielleicht. Und ein paar Cent pro Stunde mehr sind in den Jahren, nachdem das vorher am Weihnachtsgeld gekürzt wurde. So in etwa.

Wobei, gerade seit diesem Jahr zahlt das Krankenhaus nach Tarif. Strahlende Gesichter und wirklich mehr Geld!
Schon ist die Politik fleißig am Entwerfen, dass alle Systemrelevanten ihre Arbeitszeit auf zwölf Stunden am Tag ausweiten müssten, das wäre möglich, www.stimme.de, 6. April.

Widerstand verboten:

„Staatsschutz ermittelt gegen Heidelberger Anwältin“

„Eine Heidelberger Rechtsanwältin soll zu einer Demonstration am Ostermontag aufgerufen haben“. „Sie habe zum Widerstand gegen die staatlich erlassenen Corona-Verordnungen aufgerufen, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft mit.“
„Für die Ermittler ist das ein Aufruf zu einer rechtswidrigen Tat“, www.rnz.de, 8. April.

„Nein, ein Buch auf einer Bank lesen ist nicht erlaubt.“ Polizei München, Twitter.

„Seine Uneinsichtigkeit musste ein 53-jähriger Münchner am Montag mit mehreren Stunden in Polizeigewahrsam bezahlen. Der Mann war einer Streife am Nachmittag am Königsplatz aufgefallen. Dort saß er zusammen mit einer 46-Jährigen und veranstalte ein Picknick. Die Beamten sprachen das Paar an. Die Frau wollte daraufhin die Örtlichkeit verlassen. Der 53-Jährige allerdings nicht. Nachdem er einem Platzverweis nicht Folge leistete, wurde er in polizeilichen Gewahrsam genommen. Er wurde zur Polizeiinspektion 12 verbracht und von dort aus nach erfolgter Betroffenenanhörung wieder entlassen.
Kurz darauf, gegen 17.15 Uhr, wurde er im Bereich der Alten Pinakothek erneut angetroffen. Er hatte den Oberkörper frei gemacht, lag in der Sonne und las ein Buch. Da er auch hier einem Platzverweis nicht nachkam, sondern sich gegen 17.45 Uhr immer noch an der Örtlichkeit aufhielt, wurde er abermals in Gewahrsam genommen. Durch die zuständige Richterin wurde ein Gewahrsam bis um 22 Uhr angeordnet. Anschließend wurde der 53-Jährige entlassen. Zwei Anzeigen gegen ihn wegen der Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz folgen.“

www.abendzeitung-muenchen.de

„Kontaktverbot: Was Sie noch dürfen und was nicht“
„Das Wichtigste im Überblick
Überblick: Was wurde beschlossen?
Gilt diese Zwei-Personen-Regel auch für die eigene Wohnung?
Ist es damit auch verboten, die eigenen Eltern zu besuchen?
Was ändert sich für das Osterfest?
Muss man jetzt mit Kontrollbesuchen der Polizei rechnen?
Können Sie noch normal einkaufen gehen?
Dürfen Sie jetzt noch umziehen?
Was ändert sich bei Bestattungen?
Dürfen Sie noch joggen oder spazieren gehen?
Dürfen Sie noch essen gehen?
Dürfen Sie noch zu Ihrem Pferd und ausreiten?
Dürfen Sie Ihren Partner noch sehen, obwohl Sie nicht zusammen wohnen?
Müssen Sie künftig immer Ihren Ausweis dabei haben?
Dürfen Sie noch Freunde treffen?
Dürfen Sie noch in den Garten?
Dürfen Sie noch Verwandte oder Freunde im Altenheim besuchen?
Dürfen Sie weiterhin zum Arzt gehen?“
t-online.de

8. April, Am Rathaus

Am Alten Rathaus. Wo sind die Menschen?

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11. April, Ostersamstag

Was ist das? Klopapier! Im Müller ein ganzer Stapel direkt in der Eingangsmitte, glänzend in Szene gesetzt. Wir können kaum die Augen abwenden, fasziniert wie von einer Skulptur - ob man das mitnehmen darf? Wenn uns einer sieht! Hinten aber gehts weiter, in Hülle und Fülle. Und kaum ists zu haben, sind die Schilder von den Regalen weg, wonach nur jeder hat einen Packen mitnehmen dürfen. Kaum ist welches da, und möglich, überhaupt nur einen Packen mitnehmen zu können, dürfen die Hamster wieder kommen. Wir haben sogleich einen Packen gehamstert. Wird wohl kein Journalist am Eingang stehen und fragen, was wir mit „tonnenweise“ Klopapier wollen?

Ich staune über die Christen, verzichten auf Hostie, Sakramente, ewiges Seelenheil, um ihr irdisches Leben zu schützen. Vor Jahren hat mir eine Schülerin gesagt, sie sei Christin, an Gott glaube sie aber natürlich nicht: sei wissenschaftlich überholt.

Die Wissenschaft rast auf der Überholspur an der Religion vorbei, hat die schlagenderen Prognosen und Prophezeiungen. Herr Streek macht Studien an der Gegenwart und kommt auf ein erfreuliches Ergebnis: Todesrate 0,37%, ähnlich der gewohnten Grippe. Nur, wie gut, dass wir das mit der sogenannten „harmlosen“ Grippe nicht vergleichen dürfen! Müssten wir auch dann jedesmal Lockdowns haben. Aber wie wir schon ahnten, sind das „Unplausible Zahlen“, www.tagesspiegel.de.
„Experten-Kritik an Studie zur Corona-Epidemie in Heinsberg“, www.deutschlandfunk.de.
Und der Virologe Drosten „Kann daraus nichts ableiten“, www.focus.de.
Das besagte Arbeitspapier der Regierung empfielt sogenannte „Fakten-Checks“.

Bleiben wir bei der Prophezeiung, deren Zahlen sind plausibel. Hochrechnungen, Notstandsgesetze, Visionen. Herr Spahn hat schon lange Visionen davon, dass wir unsere Gesundheit von Handy-Apps überwachen - Verzeihung - unterstützen lassen: „Wir können viel lernen von Bill Gates.“ Herr Spahn hat sich dafür mit ihm getroffen, vor zwei Jahren schon - ich weiß, ich weiß, Verschwörungstheorie. Vom Bundesministerium für Gesundheit getwittert, hier am , 19. April 2018.

Wie wäre das? Nach Ostern dürfen alle wieder raus und sich treffen, aber nur mit dieser neuen App? Werden alle freiwillig die App haben, damit sie raus dürfen.

Diese kollektiven Stimmungen: Am Mittwoch die Stadt wie nach einer Evakuierung und heute am Samstag bei gleich schönem Wetter ziemlich viel los, Verkehr an Ampeln, Wochenmarkt mit Gemüse, bunten Blumen und Kauflust, endlich wieder Motive für mich zum Zeichnen! Abstandsregeln, ja, aber wenn doch die Blumen so schön leuchten und duften!

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14. April, Wiederholt sich Geschichte?

Kompliziert: kommt einer an der Rolltreppe unten an, und wir wollen hoch, kreuzen sich unsere Wege, und das, wo es recht schmal ist wegen einer Absperrung. Gut, man könnte bequem aneinander vorbei, aber der Mann bleibt stehen mit aufgerissenen Alarm-Augen, als rollt ein Tsunami auf ihn zu, und fuchtelt, wie wir das Problem jetzt managen könnten, um sich nicht gegenseitig den Virentod zu holen. Wir müssen dann zurück rudern, damit er Platz hat wie ein Auto zum Ausparken.

Für die Nachwelt muss gesagt werden, wir waren keineswegs am Niesen und Husten, nicht mit Fieber, Schwäche, Atemnot irgendwie am Dahinsiechen, nicht wie uns die Älteren, stets getreu von Saatssendern informiert, aufgeregt am Telefon schildern, dass reihenweise auf der Straße umgefallen wird und herum gelegen, weil die Rettung nicht nachkäme. Wir waren allesamt bei Kräften, ohne die geringsten Symptome. Ich weiß, gerade keine Symptome sollen ein Indiz dafür sein, wie gefährlich die Krankheit sei. Man muss in allem umdenken.

„Sachsen: Quarantäne-Verweigerer sollen in die Psychiatrie gesperrt werden“, www.tichyseinblick.de.

„Quarantäne-Verweigerer können in Sachsen in Zukunft weggesperrt werden. Das hat das Sozialministerium des Freistaates auf Anfrage von MDR AKTUELL mitgeteilt. Demnach hat die Landesregierung in vier psychiatrischen Krankenhäusern insgesamt 22 Zimmer freigeräumt, und zwar in den Kliniken Altscherbitz, Arnsdorf, Großschweidnitz und Rodewisch.“, www.mdr.de.

„Auf Twitter bestätigte der Regierungschef, dass es zwar lediglich um eine Unterbringung, nicht um eine Behandlung gehe. Aber: ‚Wir nehmen den Erlass trotzdem zurück. Er hat bei vielen Menschen falsche Sorgen geweckt.‘“, www.tagesspiegel.de.

„Dr. Thomas Binder aus der Schweiz ist ein scharfer Kritiker der ‚Anti-Corona-Maßnahmen‘. Jetzt wurde er unter einem Vorwand verhaftet und in die Psychiatrie gesperrt.“, blauerbote.com.

„Heidelberg: Anwältin scheitert mit Corona-Eilantrag vor Gericht und landet in Psychiatrie“, www.heidelberg24.de.

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16. April, Kommt die Polizei, fragt, was ist denn das?

„Schrittweise soll es in Österreich Richtung ‚neue Normalität' gehen. Baumärkte, Gartencenter und kleine Geschäfte dürfen ab heute wieder öffnen. Kanzler Kurz mahnt die Bürger zu Disziplin.“, www.tagesschau.de.

Haben wir etwas verpasst? Leipzig, nicht Österreich: So viele in der Stadt, ohne Maske. An den Ampeln auf dem Haufen, ja, Haufen! Obwohl die Geschäfte geschlossen sind, ein Gewimmel, nun ja, natürlich nicht so wie in gesunden Zeiten, aber ein Gewimmel.

Niemand macht einen Bogen. Wo ein Durchgang schmal ist, bin ich mit Fremden nebeneinander, nehmen gar keine Notiz davon, der eine so in sein Handy versunken. Wenn das mit den kollektiven Stimmungen so weiter geht, glaube ich, es liegt in den Sternen.

Und Gruppen im Park! Habe schon vergessen, wie das aussieht! Setze mich zum Malen und versuche zu erspähen, wie die Gruppen zu rechtfertigen wären. Großfamilien? Nein, hier zwei Paare, dort Männer, Frauen, Kinder, wenn das mal nicht drei Familien sind. Ganz in der Ferne ein Fußballverein. Vater, zwei Kinder spielen Ball neben mir. So viel Gesellschaft hatte ich lange nicht - meine Ohren!
Aus wochenlanger Stille, wirklich Stille einer völlig verstummten Großstadt, in der man morgens meint, es wäre Weihnachten in einem Fünfzig-Seelen-Dorf, plötzlich zurück ins lachende Leben. Vor Wochen abgetaucht, mit Wasser im Gehör und leisen, dumpfen, fernen Geräuschen auf Abstand, wie ertrunken, wird man plötzlich wach und sieht, dass man an die Oberfläche getrieben ist und alles noch lebt. Während ich male, fährt das Polizei-Auto drei oder vier mal vorbei, ohne einzugreifen, fährt einfach so herum wie ein überflüssiges Relikt aus einer vergangenen Zeit.

Zu Hause frage ich Christoph ganz aufgeregt, ob wir Nachrichten verpasst haben und zeige auf mein Bild. So sah es im Park aus! Gruppen! Viele! Und Sitzen! Auf der Wiese! Wurde etwas verkündet? - Was? Gruppen? Solche? Sitzen? Nein, im Gegenteil, im Münchener Abendblatt ... - Ja, aber Leipzig?

„Gegen 19.20 Uhr wurde eine Streife auf eine Gruppe am Isarufer aufmerksam. Die vier Personen (zwischen 27 und 39 Jahre alt) feierten an der Wittelsbacherbrücke und tranken Alkohol.“
„Nur etwa eine Stunde später ereignete sich ein ähnlicher Vorfall – diesmal in einer Grünanlage in Laim. Sechs Personen (zwischen 20 und 26 Jahre alt) saßen auf einer Decke, hörten Musik und tranken dabei Alkohol.“
„Die Polizei traf hier vor und in einem Geschäft in Pasing auf sechs Personen (zwischen 27 und 55 Jahre alt). Das Geschäft hatte geöffnet, die Anwesenden feierten und tranken Alkohol.“
„acht Personen (zwischen 24 und 53 Jahre alt) feierten den 31. Geburtstags einer Beteiligten – für die Party stellten sie eine Biertischgarnitur auf den Gehweg. Doch auch das ist in Corona-Zeiten freilich nicht erlaubt.“
„Drei Streifen fuhren zum Parkhaus und konnten dort tatsächlich auf zwei junge Münchner (21 und 23 Jahre alt) treffen. Nach ersten Ermittlungen hatten die beiden ihre Wohnungen verlassen, um sich dort zu treffen und ‚Getränke zu konsumieren', wie die Polizei berichtet. Weil kein triftiger Grund für das Verlassen der Wohnung vorlag, erhielten beide Platzverweise sowie jeweils eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz.“

www.abendzeitung-muenchen.de

„Drei Chinesen mit dem Kontrabass, saßen auf der Straße und erzählten sich was. Kam die Polizei, fragt, was ist denn das? ...“

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19. April, Verbots-(Ver)lock(er)ung

Ab morgen in Sachsen Maskenplicht beim Einkaufen, das wird immer strenger, ach nein, lockerer! Das soll eine Lockerung sein. Manche Geschäfte unter einer bestimmten qm-Größe dürfen wieder öffnen, das gibt Knatsch, dass die Großen sich zusammen stauchen müssen, um als Kleinere durchzugehen: Je kleiner der Raum, desto geringer die Ansteckung. Immerhin, nach engen Stubenzimmern stellt die kleine Ladenfläche schonmal eine räumliche Vergrößerung dar. In Hallen ganz schlimm, Corona-Platzangst.

Die nächste Lockerung wird sicher das Alkoholverbot. Das heißt, Cafés könnten doch wieder öffnen, wenn es keinen Alkohol mehr gäbe. „Alkohol macht gesellig - und distanzlos. Kommt das Ausschankverbot für Bier & Co?“ mit riesen Bild von diesen Übeltätern beim Bierchen, www.welt.de, 13.4.

„Ein Zeuge alarmierte den Notruf und teilte mit, dass in einer Wohnung eine Party stattfinden würde. Eine Streife fuhr zur Wohnung und traf dort tatsächlich auf drei Personen, die feierten. Eine 36-Jährige, ein 36-Jähriger und ein 42-Jähriger hörten laut Musik und tranken Alkohol.“, www.abendzeitung-muenchen.de. - Das geht Zeile für Zeile so weiter. Christoph und ich kugeln uns vor Lachen. Müssen die Nachbarn nachher denken, hier wäre auch eine Party und holen den Notruf? Kommt’s in die Zeitung, ob Alkohol gefunden wurde, oder wie ich Tee trinke.

Man weiß sich kaum zu halten vor lauter Lockerung: etwa, ob Ältere nicht mehr vor die Tür dürften. Jetzt ist man überein gekommen, dass es zwar kein Verbot gibt, aber die Gesellschaft weiß ihnen einheizen: Wer Schuld am Klima ist, wurde ja klargestellt, und wie die Alten den Jungen die Zukunft verderben, jetzt geht es weiter mit dem Virus:
„Endlich zu Hause bleiben, Enkel nicht mehr betreuen
Ältere Menschen sind besonders gefährdet – ihnen fehlt aber oft die Einsicht [...]
ihr Verhalten müssen einige schleunigst umstellen. Eine Kolumne. Ursula Weidenfeld [...]
Wie soll man Jugendlichen klarmachen, dass sie nicht draußen sein dürfen, wenn diejenigen, zu deren Schutz das nötig ist, weiter zum Einkaufen gehen, die Apothekerin besuchen, ihre Enkel hüten? [...]
obwohl sich die Intensivstationen der Krankenhäuser mit den Alten füllen [...]
Häufiger als Junge glauben Ältere laut der Umfrage auch, dass Corona ein Medien-Hype sei. Auch wenn man diese Einstellung nicht teilt, muss sie respektiert werden. Was Menschen denken, ist allein ihre Sache. Das gilt aber nicht für ihr Handeln. Wer erwartet – und jeder sollte es erwarten können –, dass es genug Krankenhausbetten gibt, wenn man selbst, der Partner, Freundinnen oder Verwandte schwer an Corona erkranken, muss auch bereit sein, etwas dafür zu tun.“
, www.tagesspiegel.de, 14.4.

Jemand namens Freiundgeheim: „Ich habe das Recht auf mein eigenes Leben. Dazu gehört, dass ich über mein Leben - und ggf. mein Sterben - selbst und allein entscheide. Wenn Frau Weidenfeld gerne eingesperrt werden möchte, findet sich sicher jemand, der das mit ihr macht. Mein Spiel ist das nicht.“

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20. April, Gesichtsverbot

Maskenpflicht, ein Traum für den Künstler! Vorausgesetzt, man geht nicht einkaufen und muss selbst in eine Maske. Christoph und ich müssen leider einkaufen. Er hat schon Masken-Vorerfahrung: letzte Woche beim Arzt - ja, entgegen der besorgten Eltern, man dürfe jetzt nicht zum Hausarzt, so schlimm können die Schmerzen doch nicht sein, werden OPs momentan nicht gemacht. Aber als besorgte Ehefrau nötigt man den Allerliebsten zum Arztbesuch. Wie sich zeigt, geht dort alles seinen gewohnten Gang: „Uch, ich kam da rein und fragte mit Maske, da winkte die Schwester ab und meinte, machen Sie wie Sie wollen, von mir aus lassen Sie die weg. Und überhaupt saß die Ärztin da ganz normal, nichts mit Abstand und das alles. Die Ärzte halten wohl auch nichts davon.“
Nun gut, die Läden um so mehr. Ich schlüpfe das erstemal direkt vor dem „Müller“ in so ein Ding hinein. Puh, kaum ists auf Mund und Nase, denke ich, hat jemand seine Flosse in meinem Gesicht, möchte das abschütteln und in die Ecke knautschen. Entsprechend flitzen wir, um’s hinter uns zu bringen. Die meisten Leute legen sich das erst direkt vor dem Laden an, sich umsehend, wie wenn sie im Schlossmuseum in diese Riesen-Filzlatschen schlüpfen und übers Parkett schlurfen müssen, Hackenschuhe in Filzlatschen. Aber dank Maske erkennt einen ja keiner. Masken! Es gibt garkeine Personen mehr. Doch! Da, Zweie, ein ganz junges Pärchen ohne Maske, das wohl keine Nachrichten gehört hat, sich schüchtern dicht aneinander bewegt und nur aus Augenwinkeln aufsieht, beschämt, dass es noch Gesichter hat.

Bis eben sollte man Gesicht zeigen, jetzt darf man keins zeigen. Gesichtslosigkeit!, überlegt Christoph jetzt: Was schreibst du da eigentlich? ‚Masken! Es gibt garkeine Personen mehr‘? Aber Persona heißt ja ursprünglich Maske. Danach Rolle, die man im Theater spielt, dann Rolle vor Gericht, ob als Kläger oder Angeklagter, Rechtsperson, sogar Gruppen und Vereine sind eine Rechtsperson, erst später wurde Person zum Sozialsubjekt, absurderweise zur Persönlichkeit ins Gegenteil verkehrt, zum Individuum, das Gesicht zeigen soll. Sozusagen kehrt Person nun zu ihren Ursprüngen zurück und wieder zur Maske! - was sich, weiß man das erstmal, gleich noch besser zeichnen lässt.

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21. April, Shoppen

„Selbst wenn es keine Fälle mehr gibt, müssen wir uns an Abstandsregeln halten“, Schade vom RKI, www.welt.de. Wenn es keine...
Versammlungsverbot, Kontaktverbot. Ich dachte, all das hat wenigstens ein bisschen etwas mit dem Virus zu tun? Wann dürfen wir die Eltern besuchen?

M hat kürzlich hübsche Maksen genäht und der Tante per Post geschickt. Der Brief kam aber geöffnet an, ohne Masken und nur mit halbem Text! Die Post ist durchaus sehr zuverlässig, nur Masken sollte man nicht verschicken!
Viele haben statt Masken Tücher umgebunden, äußerst ästhetisch! Christoph und ich wollen uns auch so etwas holen, so kleine Dreiecks-Tücher, unten offen, wie‘s viele haben. Liebe Nachwelt! Liebe Vorwelt!: Das ist hygienisch - neuartige Ansicht zu neuartigem Virus! Zweifel?: Leugner und Gefährder. Wir haben die Gesichter in größere schalartige Tücher eingewickelt, und hoffen, damit die Läden betreten zu dürfen, um kleine Tücher zu kaufen, um Läden betreten zu dürfen. Aber Christophs Tuch rutscht immer von seiner Nase, es will genauso wenig wie er. Ich kann ihm das festklemmen, wie ich will, es rutscht immer herunter und zieht die Brille auch gleich noch mit. Kaum im Eingang des Ladens werden wir begeistert hereingebeten, hereingezogen sozusagen, trotz rutschendem Tuch. Vier korrekt maskierte Verkäufer warten an Ecken verteilt so zuvorkommend aufmerksam auf uns, als wären Kunden vom Aussterben bedroht, und tatsächlich sind wir die einzigen - nachdem Läden wochenlang geschlossen waren, in einer Großstadt! Den Stimmlagen nach verbirgt sich ein strahlendes Lächeln unter jeder Maske. Nach unserer Gewohnheit antworten wir auch nur mit einem Lächeln, immer etwas wortkarg, bis ich bemerke, dass die Frau bemüht versucht, unsere Aussage zu enträtseln. Wie soll sie denn sehen, dass wir lächeln? Wer weiß, was sie unter ihren Masken heimlich ausdrücken, man wird ganz misstrauisch. Eine Verkäuferin tänzelt zufällig vorbei, wie sie immer zufällig gerade bei uns etwas neu sortieren müssen - Kundenkontakt geht über Seuche - und wie wir bei den Tüchern stehen, uns gut zuzureden meint: „Ja, Tücher laufen im Moment, das ist der Wahnsinn!“ Ich überlege, woher das laufen soll, seit gestern erst geöffnet, menschenleer und ausgekühlt wie eine Tropfsteinhöhle. Es gibt auch nur große Tücher mit faden Mustern, und Christoph sagt gar nichts.

Weiter zum zweiten Laden. Christoph schimpft auf sein rutschendes Tuch und will den Laden nicht mehr betreten: „Da musst du jetzt alleine rein. Ich warte hier. Scheiß Tuch. So ein Sch...“. Man sieht jetzt öfters Männer hilflos draußen vor einer Tür stehen. Ich gehe hinein, als eine Verkäuferin mir äußerst aufgeregt hinterher läuft, maskiert und mit Spray in der Hand: „Moment! Bitte einmal die Hände desinfizieren!“ Oh Entschuldigung, suche fluchtartig den Ausgang.

Der dritte Laden ist ein kleines bisschen besucht, von drei Kunden. Die Verkäufer sind immer in der Überzahl. Wäre das die Börse, wäre ein Preissturz! Hier gibt’s aber gar keine Tücher. Und nun? Die anderen Läden geschlossen! Amazon?

Abends fragt Christoph: Warum hast du denn im ersten Laden keins gekauft? Waren doch nicht schlecht! - Was? Warum hast du denn nichts gesagt? Du fandest die gut? - Wie soll man denn was sagen, vermummt? Man sieht nichts, man hört nichts... - Man hört nichts? - So wird das nichts mit dem Shoppen.

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22. April, Wieder ein psychiatrischer Fall

Sieht aus wie vor einer öffentlichen Toilette, zumal die Wartenden schon trampeln, immer bis einer rauskommt und drinnen frei ist, dann kann der nächste rein, aber es handelt sich hierbei wirklich um ein Schuhgeschäft! Am Eingang eine schicke Desinfektions-Dame in polizistischer Pose, der man die Hände vorzeigt, um sich einsprühen zu lassen.

Ich weiß, wir sind in Leipzig, aber lesen immer die Münchener Abendzeitung, zu unserem Spaß.

„Am Sonntag hat ein renitentes Pärchen die Polizei beschäftigt.“ - Christoph lacht und verschluckt sich fast. Ein renitentes Pärchen!
„Am Giesinger Bahnhofsplatz wollten Zivilbeamte“ - Spitzel! - „einen 38-Jährigen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck und eine 34-jährige Münchnerin kontrollieren. Als sie angesprochen wurden, flüchteten die beiden in unterschiedliche Richtungen. Sie konnten wieder eingeholt werden und leisteten beide erheblichen Widerstand. Außerdem spuckten sie in Richtung der Beamten. Bei beiden Personen besteht der Verdacht, dass sie an Corona erkrankt sind.“ - auch das noch! „Im Rahmen einer anschließenden Durchsuchung konnte bei dem Pärchen Heroin im einstelligen Grammbereich aufgefunden werden.“ - Im einstelligen Grammbereich, das Beamtendeutsch! So gut schreibst du noch nicht! Schreib du doch mal so! „Beide Personen wurden letztendlich in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht.“ - in der Psychiatrie!?, www.abendzeitung-muenchen.de

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23. April, Profitwirtschaft

Man hat in der Stadt kein Ziel, geschlossene Geschäfte. Prächtig blühende Bäume an der Thomaskirche. Ich zeichne und höre ich das Gespräch zweier Frauen. Die eine ganz aufgeregt, wie nach monatelangem „Shut-up“ das erstemal in Gesellschaft: „Die Krankenhäuser sind ganz umgestellt, Coronastationen, und die sind leer! Da ist niemand! Die warten jetzt auf Patienten!“, bedeutungsvolle Pause, guckt ihre Freundin eindringlich an. Die Freundin nickt, will etwas sagen, wird unterbrochen - „Und die dürfen keine OPs machen! Das sind Profitunternehmen, verdienen doch an OPs und dürfen jetzt keine machen! Die haben zu wenig Einnahmen, die gehen Pleite!“ - Pause, die Freundin hebt an, kommt nicht zu Wort - „Und wer das beschließt, sind ja alles BWLer. Die das seit Jahren gestalten, diese Profitwirtschaft in Krankenhäusern, wie was verteilt und gemacht werden soll, das sind BWLer.“ - Pause. Sieht die Freundin an wie: jetzt sag du doch auch mal was. Die will’s versuchen, erfolglos - „Die haben keine Ahnung! Das funktioniert hinten und vorne nicht!“ Nach dem dritten oder vierten Redeschwall darf die still nickende Freundin dann doch mal, und wie man heraushört, auch eine Pflegerin, selber Meinung.

Bei H ist die Coronastation nun ganz gut belegt, indem Patienten von woanders hergeholt worden sind. Viele Pflegeleute fehlen: einer positiv, müssen alle in Quarantäne, oder Kinder. Und trotzdem immer noch viel Kapazität, die Arbeitsbelastung ok. Es ist noch niemand „aus seinem Frei geholt“ worden, keineswegs wie sonst oft in all den Jahren. OPs verschoben, Besuche verboten - weniger Arbeit.

Ich überlege, wäre ich Patient: Was schlimmer ist, die Krankheit oder die Familie nicht mehr sehen zu dürfen? Alte im Pflegeheim, Gesunde, dürfen ihre Familie nicht sehen.

Auf dem Weg unter unserem Balkon spielen Kinder Fangen, zwei Kleine lachen, lachen so lustig, dass einem auch ganz zum Lachen ist, und jagen zwei größere. Die größeren rennen, garnicht lustig: „Ey, wir dürfen uns nicht anfassen!“ So wird Fangenspiel richtig ernst!

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24. April, Mini-Barrels?

Die meisten Geschäfte, auch kleinere, sind immernoch geschlossen, manche Zettel von den Scheiben genommen und garkeine Info mehr, wann sie denn vorhaben, wieder zu öffnen.

Richtig neu ist das nicht, sind schon letztes Jahr viele ausgezogen, sogar aus den touristisch so beworbenen Passagen. Damit das trotzdem noch schön aussieht und nicht nach schwarzen Scheiben, sind Bildwände hineingestellt von Urwaldbiotopen oder irgendetwas Grünem. Oder hübsche Bücher, historische, schön illustrierte, nur so zum Ansehen durch die Scheiben - und Künstler wurden gefragt! Ich hatte schon Hoffnung, aber das war natürlich Unsinn: Weltberühmte Labels ziehen aus, aber du kannst dir Miete leisten? Nein, nein, Künstler sind wie bisher außerhalb in den Abrisshallen ihre Künstlerviertel aufwerten, die sonst nicht mehr vermietbar sind. Nur schmücken sollen sie die leeren Zentrumsläden. Sich versichern natürlich und alle Kosten tragen, schreiben Kollegen. Eine Win-Win-Situation, ach nein, Loose-Loose: der Vermieter nimmt keine Miete ein, oder der Steuerzahler garantiert die Miete für einen leeren Laden, und der Künstler betreibt keinen Shop, bekommt auch kein Ausstellungshonorar. Seine Arbeit ist gefragt, solange der Künstler selber zahlt. So kommt es, dass man viel Laien-Kunst betrachten kann.

Jetzt geht es dem Öl schon wie der Kunst: Der US-Rohölpreis ist zeitweilig ins Minus gerutscht! Die Produzenten zahlen drauf, damit es ihnen überhaupt noch einer als Geschenk abnimmt, sonst schlagen die Lagergebühren ins Kontor, bzw. ist gar nicht so viel Lagerfläche da! Ich male Mini-Bilder, nun kann man nicht Mini-Barrels hinstellen. Oder sie lassen´s ganz sein wie viele Künstler.

Die FAZ: „Verschwörungstheoretiker verbreiten krude Theorien und bedienen alte Narrative – und manchmal finden sogar Links und Rechts zusammen.“ „Der Verfassungsschutz beobachtet in Kreisen der Neuen Rechten ‚Hilfsaktionen‘ für ‚deutsche Landwirte‘, ‚deutsche Senioren‘, ‚deutsche Eltern‘.
Der rheinland-pfälzische Landesverband der ‚Jungen Alternative‘ (JA), die der Verfassungsschutz im vergangenen Jahr als ‚Prüffall‘ eingestuft hat, bietet auf Facebook an, dass ‚junge Patrioten‘ Angehörigen von Risikogruppen den Einkauf abnehmen. ‚Wir lassen euch nicht im Stich‘, so schreibt die JA auf Facebook.“
„Auch Linksextremisten wissen das Virus zu nutzen. ‚Die linke Szene empfindet die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie als Repression und Weg in einen Überwachungsstaat und ruft zum Widerstand auf', heißt es im Corona-Lagebild der Bundesregierung. Der bisher einzige Anschlag, der im Zusammenhang mit dem Virus steht, wird Linksextremisten zugeordnet.
Ein Brandanschlag in Berlin-Charlottenburg Mitte April auf einen Kabelschacht sollte offenbar die Entwicklung der Corona-App sabotieren.“
„Bei der Organisation von Veranstaltungen und Demonstrationen sei das linksextreme Spektrum aktiver als das rechtsextreme, heißt es in Sicherheitskreisen. Für den kommenden Samstag etwa ruft das Bündnis ‚Nicht auf unserem Rücken‘ zu einem bundesweiten Aktionstag unter dem Titel ‚Keine Quarantäne für Freiheitsrechte‘ auf. Treffpunkte soll es in Cottbus, Erfurt, Köln, Stuttgart und Freiburg geben. Am vergangenen Wochenende fanden rechte und linke Verschwörungstheoretiker sogar bei der sogenannten ‚Hygiene-Demo‘ in Berlin zusammen. Auffällig war, wie aufmerksam russische Medien die Veranstaltung verfolgten.“, www.faz.net.

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28. April, Zwingt uns!

Ich weiß nicht, ob das so stimmt, aber t-online meint, dass wir mehrheitlich zum Impfen gezwungen werden möchten. Es ist zwar so, dass sich jeder, der möchte, impfen lassen kann, die Mehrheit wäre dann geimpft. Aber: „Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine verpflichtende Impfung gegen das Coronavirus. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für t-online.de“
„In der vergangenen Woche hatte CSU-Chef Markus Söder die Debatte angestoßen. Er sei für eine Coronavirus-Impfpflicht sehr offen, hatte der bayerische Ministerpräsident gesagt.“
, www.t-online.de.

Es gibt in Deutschland keine Impfpflicht für alle, nicht gegen Tuberkulose, Tetanus, Hepatitis, Diphtherie, Polio, kein Besuchsverbot wegen Krankenhauskeimen. So wie auch noch nie gesunden Menschen, einer ganzen Bevölkerung verboten wurde, sich zu besuchen oder auf einer Wiese zu sitzen. Corona muss die schlimmste Krankheit sein, die man sich vorstellen kann.

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29. April, Angst erwünscht

„Ein Hochhaus-Komplex mit Ausgehverbot und Sicherheitsdienst vor der Tür: In Grevenbroich wurde ein Corona-Massentest nötig, weil sich einige Infizierte nicht an Quarantäne-Auflagen gehalten hatten.“ www.web.de.

Vielleicht stellt man sich das vor wie mit Blütenstaub, wenn der Allergiker von der Linde drei Straßen weiter Schnupfen bekommt. M und P sind so verängstigt, erzählen am Telefon, dass sie ab und an nach Tagen wagen, kurz das Küchenfenster zu öffnen. Aber wie in den Hochhäusern Massentests „nötig“ waren, entlarven die Ergebnisse den Aberglauben, denn von 377 Getesteten sind nur 5 Infizierte, und zwar 4 aus 3 Familien: pro Famlie nur einer: hat ein Infizierter noch nicht einmal die eigene Familie am Essenstisch angesteckt. Müssten die Leute nicht wach werden?

R: Man kann doch nicht alle Leute auf Generalverdacht hin einsperren!
Z: „Einsperren„? Wo bitte werden denn Leute eingesperrt? Es geht um Rücksichtnahme, und dass einfach jeder Verantwortung übernimmt, ich kann‘s nicht ausstehen, wenn irgendwelcher Blödsinn verbreitet wird.
R: Ein ganzer Hochhauskomplex - Freiheitsberaubung, nenn’s wie du willst, aber all das, weil irgendwer die Quarantäne verletzt hat? Was heißt Quarantäne? Die hat ja sogar, wer nur vermutlich oder sogar unwahrscheinlich in die Nähe eines Infizierten gekommen ist, wie jetzt der ganze Hochhauskomplex, am Ende gesund, wird gar nicht berichtet. Und was heißt Quarantäne verletzt? Vielleicht nur mal einen Spaziergang, nach alter Art, wenn einem mit Infekt Bewegung und frische Luft verordnet wird. Durch wochenlang sitzen und nicht richtig atmen bekommt er grad die Lungenentzündung.
Z: Das Virus ist nun mal neu, klar, dass die Politik nicht ganz genau alles richtig macht, und diskutiert wird, aber das ist Demokratie!

Angst erwünscht

„Einem Sitzungsprotokoll der österreichischen Regierung vom 12. März zufolge hat Kanzler Kurz offenbar die Angst vor dem Corona-Virus gezielt geschürt.“, deutsche-wirtschafts-nachrichten.

„‚Task Force Corona‘ Regierungsprotokoll: Angst vor Coronavirus erwünscht“
„Kurz verdeutlicht, dass die Menschen vor einer Ansteckung Angst haben sollen bzw. Angst davor, dass Eltern/Großeltern sterben. Hingegen sei die Angst vor der Lebensmittelknappheit, Stromausfälle etc. der Bevölkerung zu nehmen.“, www.noen.at.

Direkt Angst vor Lebensmittelknappheit haben wir momentan tatsächlich noch nicht. Nicht wie die Amerikaner in kilometerlangen Schlangen vor Tafeln und Arbeitsämtern. Uns Deutschen suggeriert man den Überfluss jetzt am Klopapier: Im „Müller“ ganze Wände, Pyramiden und Abteilungen daraus gebaut. Man geht zum Vogelfutter und stößt auf Klopapier, an Spielzeug vorbei, Klopapier, biegt zum Weinregal ein, Klopapier, ganze Raum-in-Raum-Konzepte in Klopapierwänden umgesetzt, so kommt’s uns vor - ich sehe aus Protest nicht so genau hin und übertreibe wahrscheinlich wieder. Ist das, um uns auszulachen, wenn wir zwischen den Stapeln herumirren müssen, zum Hohn, wer jemals welches gebraucht hat?

Dafür wird das Weinregal ziemlich durchsichtig. Auch im Discounter. Aber Gemüse reichlich: Gestern leere Fächer, heute wieder aufgefüllt. Bananen manchmal ganz aus - aber die „Ossis“, mit alter Erfahrung, nehmen‘s nicht dramatisch. Edeka hat eine ganze Regalzeile entfernt und den Rest komprimiert, sodass unser Überfluss-Auge beim Anblick der nun vollen Regale wieder beruhigt schlafen kann. Rewe hat die Theke umgebaut und lässt, was leer war, voll aussehen - hat Fisch ganz entfernt. Mehl, Reis, Nudeln werden immer nachgelegt, und in exquisiteren Läden, Bio, ist überhaupt nicht der geringste Mangel. Nein, eigentlich ist überall alles voll. Nur in den letzten Wochen schon etwa fünf mal Sachen erwischt, die sich nach zwei Tagen als seit zwei Wochen verfallen entlarvten, schimmeligen Parmesan, Bulgursalat mit weißer Pelzdecke, die so nicht an dem einen Tag in unserem Kühlschrank gewachsen sein kann. Man muss ein bisschen aufpassen.

Und vor Stromausfällen haben wir erst recht keine Angst. „Energieversorger ‚kasernieren‘ Hunderte Mitarbeiter“ - „freiwillig“(?) „Die Mitarbeiter erhalten Waschmaschinen, Spielekonsolen und psychologische Betreuung.“, „Beim Regionalversorger Bayernwerk zum Beispiel ‚standen noch Feldbetten aus alter Zeit‘, sagte Teyssen. ‚Die werden wieder benutzt.‘ Die Mitarbeiter der Netzleitwarte ‚wohnen jetzt da, und die sehen auch niemand anderen aus dem Haus‘.“ www.welt.de, 25.3.

Aber habt Angst vor dem Virus!

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1. Mai, Stille Arbeiter

Kündigungen, Kurzarbeitergeld, 12-Stundentag - und keine Proteste am Tag der Arbeit? Das Zentrum so leer, man meint, es wären wieder Ausgangsbeschränkungen.
„Der Landesverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes feiert gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi den Tag der Arbeit digital.“ www.mdr.de
Wir haben nichts mehr erwartet, als wir doch noch auf eine kleine Demo am Ausgang des Stadtzentrums stoßen, die MLPD. Eine Sprecherin, überaus freundlich, führt aus, dass wir für die Grundrechte einstehen müssen: „dass wir die Grundrechte, äh, verteidigen müssen“, gegen Ausbeutung der Arbeiter. Aber nicht missverstehen! Nicht aggressiv. In so schlichtendem Ton, dass kein Zweifel sein soll: arbeitsam, gehorsam, diszipliniert, fern jedweder aufrührerischer Aufmüpfigkeit, kein Straßenmob, davon distanzieren wir uns, wollen nur mal sachlich - im Rahmen der Meinungsfreiheit - unseren Unmut vorgetragen haben, in Erinnerung, dass es aktuell wäre und vielleicht einen der Oberen irgendwie mal erreichen könnte, wenn wir aktiv bleiben. Alte wie Junge, überschaubare, stille - dreißig Leute? In gesunden Zeiten hätte man’s garnicht für eine Versammlung halten können, wären immer so viele auf dem Platz, nur etwas lauter. Damit diese braven Leute keine Ausschreitungen machen, stehen Polizisten dabei, mindestens so viele wie Demonstranten. Da ist die Demo auch schon zu Ende, und kommt die Sprecherin direkt zu mir - falle ich so auf? - fragt mich, was ich zeichne. Wegen dem gesetzlichem Abstand könne sie ja nicht gucken kommen. Sie hat eine sehr hübsche Maske auf. Man sieht, wie sie sie liebevoll genäht hat, lauter hübsche Masken für die ganze Familie. Weil wir erst so spät gekommen sind, erzählt sie uns noch einmal kurz zusammenfassend, dass man auch in der Krise für die Grundrechte einstehen müsse.

„Mehr Polizei als Demonstranten“, www.lvz.de.

Auf dem Rückweg finden wir auf dem Markt die nächsten etwas aufbauen, „Zweieck“. Als wir herantreten, erzählt uns eine Veranstalterin, sie seien seit Jahren aktiv, Lehrer, Pfleger, Unterbezahlte, Arbeitslose. Gerade jetzt müsse man für seine Rechte eintreten, der 12-Stundentag solle sofort wieder abgeschafft werden! Es ist das erstemal seit Monaten, dass wir uns direkt mit jemandem austauschen, so muss sich wohl ein Maulwurf fühlen, wenn er ans Licht kommt!

Am Nachmittag gesellen wir uns zur offiziellen Demo. Der Sprecher verkündet das amtliche Schreiben: Mindestabstand, Masken sind bitte zu tragen, 30 Minuten dürfen nicht überschritten werden, die Teilnehmerzahl sei auf 25 begrenzt, alle namentlich amtlich erfasst. Gab es das jemals, dass Demonstranten amtlich gelistet werden? Es sind deutlich mehr Menschen versammelt, wie wir wohl nicht gelistet, lassen wir’s hundert sein, nicht so viele, wie an einem ganz normalen Werktag in gesunden Zeiten Passanten. Wo sind die Grünen, SPD, Linke, irgendwelche Parteien?

In der LVZ lesen wir von einer größeren Demo am Augustusplatz, die wir nicht bemerkt haben. Demos sind so kurz und still, man muss sie suchen! Mehr Inquisitio als Demonstratio, obwohl es dort übel zugegangen sein muss: „Hunderte Menschen lauschen den Worten verschiedener Leipziger Initiativen“, sodass die Stadt jetzt juristische Konsequenzen erwägt, LVZ (ebd.).

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4. Mai, Krude Ideen

Menschenrechte, das sind schon wirklich krude Ideen. Grundgesetz, wie verrückt. Ich muss schon sagen, wer käme denn auf so etwas? Vom „Jahrmarkt der kruden Ideen“ berichtet die Tagesschau. „Von Woche zu Woche wird die Szene bunter, die Losungen schriller. Skandiert wird ‚Wir sind das Volk‘. Viele bringen ein Grundgesetz mit und verweisen auf die Grundrechte.“, „Verschwörungstheoretiker“ und Christen, www.tagesschau.de, 1. Mai. Na, da hat sich ja ganz schön was zusammengefunden. „‚Kritische Intelligenz‘ gegen die ‚herrschenden Eliten‘“
, „Keine Gewallt“, die Tagesschau guckt auf das Doppel-l und zweifelt, ob dieser Vertreter der Intelligenz angehören könnte. Im Bild ein „Kommunikations-team“, dass den Verrückten Vernunft einreden soll (Polizisten in Warnwesten mit Aufschrift „Komminakations Team“. „Was Teilnehmer an kruden und verworrenen Gedanken äußerten, trug der Verein ‚Zentrum Demokratischer Widerspruch‘ in einem Video zusammen.“ Die Tagesschau berichtet, wie sich Demonstranten auch schon untereinander streiten, weil die einen mit den anderen nicht zurecht kommen, haha, eine richtige Zirkus-Clownerie.

Das Grundgesetz offen zu tragen ist auch eine heikle Sache, bezeugt ein Video: trägt eine Frau halb sichtbar unter der Jacke das Grundgesetz, von der Polizei ermahnt: „das ist eine politische Meinungsäußerung, die dürfen Sie hier nicht tätigen.“ - „Aber Sie haben doch auch auf die Verfassung geschworen.“ - „Darum geht es jetzt gar nicht. Es geht darum, dass Sie hier ne Message nach außen tragen“ - […] - „ich hab garkeine andere Chance als mein Grundgesetz runter zu nehmen, sonst werd ich abgeführt?“ - „Sie sollten das jetzt weg packen, ansonsten müssen wir Sie hier vom Platz führen.“ - „Was ist mit all den anderen Leuten, die hier auf dem Platz stehen?“ - „Die zeigen ja keine politische Meinungsäußerung“. Ein Passant hinzu: „Das Grundgesetz ist keine politische Meinungsäußerung, auf gar keinen Fall!“ - der Polizist: „Das Ganze, was sie hier zeigt, ist eine politische Meinungsäußerung […] Wenn se da drinne lesen, dann lesen se da drinne …“ - „Aber Sie sagen zu mir, dass es nicht mehr gilt, weil die Verordnungen …“ - „Hab ich doch garnich gesagt, hab ich zu keiner Zeit gesagt. Ich habe gesagt, dass Sie jetzt hier an Ort und Stelle keine politische Meinung äußern dürfen, und das tun Sie, indem Sie das Grundgesetz vor der Brust halten, eine gewisse Message nach außen zeigen, und deshalb sollten Sie’s jetzt weg packen.“ - „Aber nur mal so: Sie haben die Verordnungen gelesen, und da steht nicht drin, dass ich keine politische Meinung äußern darf“ - „Da steht … [überlegt] Sie dürfen heute hier das nicht tun.“ - „Ich darf nicht hier sein?“ - „Nein, Sie dürfen nicht hier jetzt mit dieser Message, die Sie hier nach außen tragen, hier eine Meinung äußern.“ Das Video lustig kommentiert: „Das ist keine politische Meinung, sondern eine Buchempfehlung an die Polizei.“ „Dieser Dummkopf leistet einen Eid auf das GG und behauptet es wäre eine politische Message.“ www.youtube.com, 3.5.

Dass unser Grundgesetz so abrutscht, war zu befürchten, vor Wochen noch undeutlich unter dem Deckmantel, dass Demonstrieren überhaupt verboten war. Eine Filmaufnahme aus Konstanz:
Zwei Frauen auf fast menschenleerem Platz, auf vier Metern Distanz, halten gelbe Zettel vor sich. Eine Stimme aus unserer Perspektive (der Kamera-Mann) fragt: „Ist das jetzt ne Demonstration, oder was ist das hier?“ - „Nein, wir machen einen kleinen, netten Spaziergang durch die Innenstadt bei der schönen Sonne, und kommen mit einzelnen Menschen vielleicht ins Gespräch, aber verteilen das Grundgesetz“ - „Mit welcher Zeilsetzung?“ - „Meine persönliche Zielsetzung ist …, also was mich besonders schockiert an der ganzen Sache gerade ist, dass den Menschen verboten wird, selber zu denken. Und es kann nicht sein, dass ich nicht selber mir eine Meinung über etwas bilden darf. Jeder Mensch ist vollkommen mündig […] Es kann nicht sein, dass einzelne Menschen sagen, wir wissen es besser als andere und deshalb müsst ihr auf uns hören […]“ - Zwei weitere ebenso weit verstreute Frauen sichtbar. Polizei nimmt Personalien auf. Keine Antwort auf die Frage, warum. Zwei der Frauen in vorgeschriebenem Abstand singen „Einigkeit und Recht und Freiheit“ - ein junger Mann mit Zettel auf mindestens zwei Metern Abstand zu einem Passanten: „Was man mit den Leuten hier momentan macht: Wir erleben hier ein kollektives Trauma, das wurde ja in der Vergangenheit schonmal genutzt und für politische Zwecke missbraucht. Wenn man dann dieses Trauma bei Bedarf, wenn man irgendwelche Gesetze umsetzen möchte, dann triggert, dann kriegt man natürlich ne flächendeckende Zustimmung. Davor haben wir zum Beispiel auch Angst.“ - der Interviewer zur einen Frau: „Was ist denn die Alternative zu dem, was wir hier erleben?“ - „Dass wir das vielleicht so wie Schweden machen.“ - „Ist das jetzt nicht sehr egoistisch, was du sagst?“ - „Ich finde, die anderen sind egoistisch. Die Freiheit ist auch immer die Freiheit des anderen. Und was damit auf uns zukommen kann, das wissen wir ja alle noch garnicht. Von daher denke ich nicht, dass das egoistisch ist, sondern eher sozial, weil vielleicht ein paar Leute schon ein bisschen weiter denken.“ - Polizei ermahnt den Interviewer: „Ich möchte nicht, dass Sie aktiv auf die Leute zugehen und auch keine Flyer verteilen. - „Ich bin nicht der Verantwortliche für die Demo, aber äh …“ - „Nein, wer ist verantwortlich?“ - „Es gibt keinen, weil es ist ja keine Versammlung.“ - „Ja, ok, aber Sie sind mein Ansprechpartner, ok?“ - „Äh, ich bin nicht verantwortlich.“ - […] Polizist erklärt: „Es gibt keine Beschränkung der Meinungsfreiheit, aber es gibt bestimmte Beschränkungen im Verhalten, dazu zählt, dass man auf die Menschen nicht direkt zugehen darf, dass man sich nicht mit mehr als zwei Personen auf einem Haufen aufhalten darf. Wenn Sie das bitte zu den Leuten weiter geben, zu denen Sie garantiert Kontakt haben. Alle Verstöße […] unter 1,50 bringen wir zur Anzeige, und wiederholte Verstöße werden mit Gewahrsam geahndet. Ganz einfach. Die Leute kommen bei uns in Gewahrsam.“ - der Interviewer richtet’s aus: Einhaltung der bereits eingehaltenen Abstände. www.youtube.com, 5.4.

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8. Mai, Umkehrer

Mittlerweile sind sich die Leute überhaupt mehr so einig wie es mir zu Anfang vorkam. Auch die Orwell’sche Zählung ist angepasst worden zu einer anderen Orwell’schen Zählung, wobei ich, zugegeben, wie ein schlechter Schüler statt zur Tafel aus dem Fenster blickend, jetzt gar nicht up-to-date bin, als ein ganzer Schwarm politisch Überzeugter einfach umkehrt und wieder zurück schwimmt, ein breiter Strom absolut vorbildlicher Vorschriften-Einhalter, wie gegen ein steiles Ufer geschwappt, platscht zurück und läuft in die entgegengesetzte Richtung, schon wieder an uns vorbei. Eben noch Türgriffe zu Hause desinfiziert, in Latexhandschuhen telefoniert, Luft und Sonne ausgesperrt, sich in Stuben isoliert, die Eltern allein gelassen, sogar den eigenen Geliebten aus anderem Haushalt, „So retten wir Leben.“, und ehe man sich’s versieht, haben dieselben sich noch vor uns am Kaffetisch besucht.

Fällt mir ein Stein vom Herzen. Aber irritiert bin ich schon, weil: „Wer jetzt noch verharmlost, handelt fahrlässig.“ Kritik ist eine absolut fahrlässige Handlung, in jeder Kritik mindestens ein bösartiges Virus, wovon ein Krankenhaus überfüllt ist. Unterdessen heimlich die Verbote umgehen, solange man sich ganz klar für sie ausspricht, ist gar nichts dagegen. Aber haben sie nicht Recht? Geselligkeit ist gesund, Kritik am System gefährlich?

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14. Mai, Virengefahr in großen Hallen

Seit einiger Zeit wieder geöffnete, wenn auch kaum besuchte Geschäfte. Die Pleiten kommen wohl doch später, oder hoffentlich garnicht? Belebte Straßen. Das Bildermuseum soll auch wieder geöffnet haben? Meine Jahreskarte ist unterdessen verfallen, Eintrittspreis für Zweie nicht eben niedrig. Wir werden heute nur hineingehen, wenn nicht die Besuchszeit, „aus gegebenem Anlass“, wie immer gesagt wird, auf zwei mickrige Stündchen begrenzt ist.

Eine kleine Touristenführung:

Wir laufen die lange, schwarze Glasfassadenwand des Brühlcenters ab, biegen in eine Straße älterer Häuser, dürfen uns nicht vom Blick auf das schmuckvolle Rathaus ablenken lassen, sonst verpassen wir diesen hinterhofartigen, kahlen Einschlag. Man denkt, da führt’s zu nichts, aber als Teaser ist Schutt auf einen Sockel gebastelt, bunt angestrichen, sodass man darin eine Figur mit großem Kopf, oder zwei Köpfen, also Kunst erkennt, Lüpertz aus Düsseldorf, damit Touristen positiv überrascht sind: Dass nicht Leipzig (DDR), sondern Düsseldorf hier.

Wir haben damals immer beobachtet, wie der Bau fortgeschritten ist, ein quaderförmiger Beton-Klotz ohne Schnickschnack - nennt man das Cube? - stand längere Zeit mit Baugerüst drum herum. Irgendwann graue Glasscheiben um das Gerüst. Danach wurde der Bau gestoppt. Wir schauten immer mal vorbei, wann es weiter geht, aber es blieb so eingerüstet unter dem Glas, als Christoph schließlich meinte: Du, ich glaube, das ist kein Baugerüst, das ist fertig, das soll so. Als es dann stolz beworben und die ästhetische Absicht immer erklärt wurde, stand es also fest. Aber es ist ein Streit entbrannt, ob dieses Bauwerk nicht doch eher schlimm missraten sei. Ich weiß nicht, ob wegen des Streites, kamen um diesen Klotz dicht anliegend weitere Gebäude herum, also dass es sich, in ein Karee aus Büros und Hotel eingekästelt, schön versteckt. Zugleich eine einsame Gasse, eine Schlucht ums Museum herum, wenn einem das Stadtzentrum zu belebt sein sollte. Man arbeitet schon immer daran, etwas mehr tote Winkel in die quirlige Stadt einzuziehen. Aber vielleicht hat sich wer unerwartet gegruselt, sodass man doch lieber das freundliche Café, das man von vorne, von der Straßenseite kannte, in diesen Hinterhof hinein ausgeweitet hat. Im Sommer ist es dort hinten sogar recht gut besucht, ruhig und schattig, sind schöne, schlanke Bäume gepflanzt.

Der regelmäßige Besucher wird bestätigen, dass er meist allein in den hohen, weiten Hallen des Museums schlendert und mit dem Rauschen der Klima-Anlage meditiert, wenn nicht gerade besondere Anlässe sind oder Schulklassen durch gehetzt werden, also sicher keine Infektionsmöglichkeit. Treten wir ein - Moment, da ist ein Schild, das ist neu, nun erkennt man auch besser, dass das der Eingang ist. Eine Anleitung zu Verhaltensregeln, in welche Beuge man husten soll, maskiert und mit Abstand. Das Schild steht so mittig, wer da drum herum geht, so entschieden, geradezu mutwillig, unmissverständlich in die Eingangstür hinter dem Schild, der hat eine Art Einverständniserklärung abgegeben, dass er das Schild gesehen haben muss, dass er also, dann allein in den weiten, hohen Hallen, eine Maske über Mund und Nase zu spannen hat.
Man hängt sich an die titanisch großen, schwarzen, schweren Eingangstüren, oder stemmt sich dagegen, je nachdem in welche Richtung sie eventuell aufgehen könnten, und wird in eine riesige hohe Halle eintreten, wo nichts ist. Bis letztes Jahr ein Museums-Shop, hervorragende Bücher, doch überflüssig, wurde abgeschafft. Und hinter dieser leeren Halle kommt eine noch größere, Tresen, und Schließfächer zu einem sehr, sehr engen Gang an die Wand gequetscht, damit der leere Hallen-Eindruck nicht zerstört wird. Bis dorthin ist man allein.
Doch nanu, soweit, wie hier geschildert, kommen wir heute nicht. Sind gerade noch am allerersten Eingang: eine Wächterin an die Türen gestellt, wegen der tödlichen Virengefahr eine Rumänin - an unbeliebte Posten stellt man meist Rumänen. Wo ich zehn Jahre als Aufsicht gearbeitet habe, hatten wir auch eine Rumänin, die immer an allem Schuld gewesen sein soll, hatte ich Ärger, weil ich etwas gesagt habe. Jetzt scheitert’s an der Verständigung, weil sie kaum Deutsch spricht, und durch ihre Maske keinerlei Mimik. Man hätte uns in Jutesäcke einnähen können, es wäre nicht schlechter gegangen. Schließlich lässt sie uns eintreten in die große, gähnend leere Halle. Die Frau scheint aber immernoch dringend etwas auf dem Herzen zu haben, da kommt vom anderen Ende eine Wächter-Verstärkung geeilt, ein Mann, dessen Mimik unter der dichten Maske, wenn die mal nicht dreilagig ist, ebenfalls nicht durchdringt, dessen Ausschreiten aber eine gewisse Agressivität verdeutlicht. Wir kommen uns vor wie Verbrecher. Er spricht Deutsch, aber maskiert wie geknebelt, noch dazu auf drei Meter Sicherheitsabstand. Verzeihung, wir wollten nur mal schauen, ob das Museum geöffnet ist. Wir wissen noch nicht, ob wir hinein wollen. - „Hmhmpf pm pf emüp pfm“ - Wiebitte? Entschuldigung, wir wollten uns nur erstmal informieren. - „Pfm hpff pm üm üm“ - Oje, hier muss ja eine furchtbare Ansteckungsgefahr in Ihrer Halle sein. Und um die Leute nicht weiter in Angst und Schrecken zu versetzen, bevor noch mehr Wächter, wie Bienen ihren Staat, den Eingang vor kranken Infizierten schützen, machen wir kehrt, schnell wieder hinaus.

Ein gescheiterter Versuch. Ich hege die Hoffnung, den Leser später durchs Museum zu führen. Vielleicht, wenn man gegen uns geimpft sein wird.

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16. Mai, Einkaufswagen, Taschenkontrollen und Schuhlöffel

Wir brauchen nur eine Kleinigkeit in einem sehr kleinen Konsum. Bei so engen Regalen am besten alle nacheinander, ohne Zurück, ohne Überholen, auf keinen Fall mit einem Einkaufswagen. Warum es hier überhaupt Wagen gibt? Und wegen dem Virus soll jeder einen Wagen nehmen. Christoph nimmt einen, ich folge mit unserem Trolley. Die Ladenherrin an der Kasse neben Ein- und Ausgang bellt: Jeder einen Wagen! Einhändig einen sperrigen, widerspenstigen Wagen vor mir herschieben, in der anderen Hand den Trolley hinter mir herziehen? Mit Wagen vorn und Trolley hinten durch diese Schranke? Oder ich mit Trolley durchs schmale Drehkreuz, nebenher einhändig seitwärts den Einkaufswagen durch die Wagenschranke? Oder einer mit zwei Wagen je einhändig und einer mit Trolley? Und drinnen um die schmalen Ecken, Trolley in den Wagen passt nicht - wir suchen doch eigentlich nur ein Glas Marmelade! Nehmen wir’s als Abweisung. Ein Stück weiter Konkurrenz, ein großer Bioladen, den Christoph jedesmal mit den Worten betritt: „Man kann’s nicht mehr sehen, diese Bio-Schickeria.“. Aber was ist das? Ein Schild: Taschenkontrolle am Eingang wegen Corona. Corona in meiner Tasche? Moment, lesen wir weiter: Es wurde gestohlen wegen Corona. Da sucht man jetzt in meiner Tasche, bevor ich hinein gehe und überhaupt etwas habe stehlen können? Ein Händler, ein Zivilist. Und ist nicht Gucci in Paris! Und selbst dort hat der Türsteher mehr sporadisch alle durchgewunken, bei den Frauentaschen schon gar nicht hingeguckt. Na, zum dritten Laden.

Neulich kam Christoph von einem Schuhladen nach Hause: „Ich wollte nichts weiter als Schnürsenkel. Da kommt man rein und wird einem gleich so ein Schuhlöffel in die Hand gedrückt, ein desinfizierter Schuhlöffel. Ich meinte, ich wollte keine Schuhe probieren, ich bräuchte nur Schnürsenkel, einfach kurz an der Kasse. Aber ich sollte trotzdem so einen Schuhlöffel mitnehmen. Die Leute laufen alle mit Schuhlöffeln herum. Das musst du zeichnen! Mit Rucksack auf und Rucksack ab, Portemonnaie und Schnürsenkeln rausholen oder einpacken und immer mit diesem Schuhlöffel noch dabei. Und dann durfte ich nicht einfach die Tür wieder raus, wurde ich zurückgerufen, das sei der Eingang, und sollte ich nochmal rum laufen zur anderen Tür raus, da stand dran ‚Nur Ausgang‘. Man wird noch verrückt.“

So stelle ich mich vor den Laden im Schatten an die Pfeiler, zeichne alles durch die Scheibe. Eine schicke Studentin in Latexhandschuhen und Maske sprüht in hoch motivierter Geschäftigkeit Desinfektionsmittel auf die Schuhlöffel und poliert sie mit einem Tuch - so blank wird nirgends ein Weinglas serviert. Ein Kunde knüpft draußen die Maske um, fragt, ob ich anstehe, sieht sich um, ob die Luft rein ist, und er ohne Gefahr eintreten darf. Die schicke Dame streckt den Arm aus und einen Schuhlöffel weit in den Raum dem Kunden entgegegen, Mindest-Abstand.

Drinnen sieht man Kunden den Schuhlöffel als Zeigestab nutzen, sie tippen damit auf Schuhe, schaukeln ihn herum wie einen Schirm, ein wartender Ehemann klopft sich damit zum Zeitvertreib ans Bein, manche legen ihn sich auf die Schulter wie einen Stock mit Bündelchen, halten ihn wie zum Angeln als wenn etwas anbeißen soll, oder wie eine Wünschelrute, klemmen ihn unter die Achsel, legen ihn in einem Regal ab, suchen ihn, wenn sie ihren beim Schuhanziehen haben zwischen irgendwelchen Kartons liegen lassen. Eine Mutter probiert Schuhe, das Töchterchen übernimmt ihren Schuhlöffel, um nun mit zwei Schuhlöffeln zu tanzen und zu trommeln. Man sieht durch die Scheibe, wie sie ermahnt wird und nicht horcht.

Unter diesen zeichnerisch höchst wertvollen Umständen kommt mir die Idee: Kann ich nicht wie die kleine Giulia vor ein paar Wochen einen Brief an den Minister schreiben: Bitte Maßnahmen verlängern? Ich bin noch nicht fertig mit Zeichnen.

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21. Mai, Ambrosia, Desinfektionsmittel und überfüllte Züge

Die einen feiern Jesus und seine Himmelfahrt, die anderen trinken sich früh am Vormittag selbst auf Wolke Sieben hinauf bis sie Sternchen sehen, in den Männerhimmel, wo gebrüllt und philosophiert wird, wo sie ihr gelbes Ambrosia mit Schaum durch die Gegend schwappen, bis es uns im Zugabteil um die Füße läuft.

Nun, wegen Corona ist die Prozession der Himmelfahrer nicht ganz so groß wie in gesunden Zeiten, aber der harte Kern bleibt traditionsbewusst. Uns zieht’s hinaus nach Klosterbuch. Familien und Kolonnen von Fahrrädern, ganze Kollegschaften, Vereine, Old-Timer, Trabbis, Motorräder. Und Väter: Offenbar zur Feier des Vatertags wird manchem Papa das Kind zu einem Ausflug anvertraut. Vor uns gehen Vater und Sohn. Sie haben den gleichen Kopf, die gleichen Beine und bewegen sich völlig gleich, dass die Mutter allenfalls als Kopierer gedient haben muss. Wenn die Mutter einmal ihre Ruhe haben will und den Mann hinaus schickt, hat sie gar nichts gewonnen, wenn sie nicht auch den Sohn vor die Tür setzt, meint Christoph. Männer basteln sich Blümchen und Hupen um die Fahrradlenker und ziehen Handwagen mit Lautsprechern, Songs über Corona.

Im Eingang zum Klosterhof ein Schild: Abstand und Masken. Sind aber alle ohne Maske, Zwölfergruppen, Kumpels, wobei die Tische fünf Meter auseinander, damit nicht die einen Zwölfe den anderen Zwölfen rüberpusten. An der Toilette, natürlich, hält man das Virus wieder für gefährlich, ziehen sich Tischkumpanen Masken über. Am Eingang muss jeder seine Hände desinfizieren, bevor er sie drinnen dann waschen darf. Händewaschen - wäre nach der Zugfahrt nötig, doch wenn ich diese Masken sehe, eine maskierte Schlange... Christoph geht zum Desinfizieren und Händewaschen, hat aber das Geld nicht passend, zahlt das Doppelte.

Wir, auf der Wiese im Schatten am Ufer des Flusses vor imposanter Felsenwand, packen unseren Proviant aus. Ach: Wir haben doch Desinfektionsmittel dabei! Wie ich mir damit die Hände einreibe und Christoph sich gleich nochmal, macht’s in der Nase einen Eindruck wie - Urinsteinlöser! Huch, das hätte deutlicher drauf stehen können. Moment warten, dass es verfliegt, aber das einzige, was verfliegt, ist der Appetit, wenn wir mit diesen Händen vom Brötchen abzubeißen versuchen. Ich reibe sie im Gras, nützt nichts, tauche sie in den Fluss, das hilft, grünbraunes Algenwasser. Christoph geht nochmal in die Maskenschlange, zahlt ein zweites Mal, desinfiziert sich ein drittes Mal, um noch einmal die Hände waschen zu dürfen. Endlich Essen.

Wanderung nach Leisnig. Insekten summen in den Baumkronen einen schönen, räumlichen Ton, als wenn Kirchenglocken ausklingen oder wie Magnetfelder von Planeten. Zwitschernde Bächlein, plätschernde Vöglein, nein andersrum. Wie ist der Wald so schön, und Leisnig fast eine Geisterstadt. Hier zu vermieten, dort zu verkaufen. Ab und an ein Einwohner in Jogginghose, verraucht und zermürbt wie nach täglicher Himmelfahrt. Ein Lokal geöffnet, wo Christoph fragt, ob wir auf der Terrasse Platz nehmen dürften. Die Frau fragt: „Wieviele?“ - Wir sind zu zweit - „Tut mir leid, da ist alles reserviert.“ - Warum sagt sie nicht gleich, dass nur noch Platz für Einen ist? Oder für wieviele meint sie denn, wäre Platz gewesen?

Heimfahrt. An jeder Tür im Zug, an jeder Sitzgruppe ein Schild: Masken tragen, Abstand wahren. Nebenan ein finsterer Security-Mann mit einer Statur: für Kentaurenkämpfe trainiert - er will damit wohl sagen, dass es nicht nur bei Ermahnungen bleibt. Obwohl, wieviele Leute lässt er denn zusteigen? Offenbar soll jeder seinen Abstand selbst mitbringen und das Zugabteil mitwachsen. Als das irdischerweise doch nicht mitwächst, wird umgedacht: Das Virus ist plötzlich verschwunden, auf Abstand kann man verzichten. Virengefahr also nur, wenn man allein ist. Das Virus als Raubvogel auf eine Spatzenschar. Je mehr Spatzen, desto kleiner das Risiko für den einzelnen. Eine Frau setzt ihr zappeliges Kind neben eine Fremde, es sabbelt sich an den Händen, fässt alles an, und jeden in Reichweite. Zwei Betrunkene schäkern mit dem Kind, es ebenfalls berührend. Eine Frau fragt, ob sie sich neben uns setzen darf. Vor Kurzem noch hat Polizei jeden ermahnt, wenn er auch nur allein auf einer Wiese saß, Demonstrieren ist immernoch eingeschränkt, seit Monaten gilt als asiozial, wer die Verordnungen auch nur kritisiert. Dann wollen wir sie mal einhalten. Prompt ist die Frau beleidigt: „Na, wenn Sie sich dann besser fühlen... “. Jetzt sitzt sie auf der Armlehne. Keiner glaubt an diese Seuche! Revolution! Aber ob die Leute dafür zu haben wären?

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Leere Krankenhäuser

„Trotz Pandemie sind die Krankenhäuser so leer wie lange nicht. Das bringt Ärzte in Kurzarbeit und vermiest die Geschäftsbilanz […]
Chefarzt Uwe Behrmann schüttelt den Kopf, wenn er durch die Stationen geht. Er sagt: ‚Ich bin seit 17 Jahren hier. Aber so leer habe ich die Klinik noch nie erlebt.‘ […]
Deshalb forderte die Krankenhausgesellschaft, auch planbare Operationen wieder zuzulassen, um die Betten in den Kliniken wieder zu füllen.“ hessenschau, 1.5.

„Ich bin als Assistenzärztin auf der Intensivstation eines mittelgroßen Krankenhauses im Ruhrgebiet tätig. Seit etwa drei bis vier Wochen steht unsere Klinik halb leer, um Kapazitäten für Covid-Patient*innen zu schaffen […]
Nach tausenden Krisensitzungen und ausgeklügelten Notfallplänen […], blieben die Patient*innen einfach aus. Es gab Tage, da haben wir aus Langeweile Tischtennis auf der Intensivstation gespielt. Ich hab ein Foto davon […]
Was mich aber am meisten wütend macht, ist die Tatsache, dass man weder in der Politik noch in den Medien über die Lage in deutschen Kliniken spricht!“ mail vom 16.4. an kollateral.news

„Auch die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind in diesen Tagen andere Orte als sonst. Leere Gänge, wenig Angehörige, im Wartezimmer herrscht Stille […] Wo sind diese Menschen nun hin? Die einzige plausible Erklärung: Sie kommen trotz Symptomen nicht in die Kliniken, aus Angst, sich anzustecken.“ www.zeit.de, 24.4.

„Ich bin Physiotherapeut in einer Lungenfachklinik […] Unser Haus wurde leer gehalten für Corona-Patienten. Ich bin in Kurzarbeit. Wie kann sowas sein? Wo sind die Corona-Patienten, für die die Betten bei uns freigelassen worden sind zur Behandlung. Wo sind die? Wir haben aktuell sieben Patienten, Zustand nach Covid19. Wenn mir ein Patient erzählt, dass sein Bettnachbar gestorben ist und den Angehörigen Geld geboten wird, 5000 Euro, dass die unterschreiben, dass er an Covid19 gestorben ist, da hört’s auf! […] Niemand soll arbeiten, sitzt vor dem Fernseher und lässt sich manipulieren, dass Corona tödlich ist und gefährlicher sein soll als irgendein anderes Bullshit-Virus, das wir jedes Jahr haben!“ Video, youtube u. kolleteral.news, 5.5.

Neue Corona-Klinik auf dem Messegelände unterm Funkturm, Berlin: „500 Corona-Betten, 31 Millionen Euro, aber keiner da!“ bz-berlin, 11.5.

Freiwilligkeit:
„Schule kennzeichnet Nicht-Infizierte mit grünem Punkt […]
Um schneller zum Normalbetrieb zurückkehren zu können, bietet ein Gymnasium seinen Schülern freiwillige Corona-Tests an. Wer nicht infiziert ist, den kennzeichnet ein grüner Punkt - und gelten für ihn andere Regeln als für Schüler, die sich nicht testen lassen.“
focus, 19.5.

„Wegen der Coronakrise fordern Wirtschaftspolitiker der Union im Bundestag, den Mindestlohn in Deutschland abzusenken oder zumindest eine Erhöhung im kommenden Jahr auszusetzen.“
„Die in der Coronakrise für systemrelevante Branchen ermöglichten Ausnahmen vom Arbeitszeitgesetz sollten ‚sofort auf alle kleineren und mittleren Unternehmen ausgeweitet werden‘.“ nd, 26.5.

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27. Mai, Versuch, wieder aufs Schiff zu kommen

Es sind alle noch da, Gäste, Kellner, Urlauber, Leipziger. Man darf sich wieder setzen und wird bedient. Nur irgendwie - verglast, oder aus dem Kühlschrank genommen und noch nicht aufgetaut. Der Phönix aus der Asche leuchtet nicht. Vergessen die Freude von zu Anfang.

„Dann kam Corona - und plötzlich ging es vielen Leuten besser.“ www.ZEIT.de, 13. Mai.

„Waren vor Corona im Schnitt 66 Prozent der Befragten gut gelaunt, sind es nun mehr als 74“ www.ZEIT.de, 13. Mai.

„Wir sitzen alle im selben Boot.“ Oder vielmehr, sind aus dem selben Boot gekentert, sehen uns unter Wasser in anderer Konsistenz, in stickiger Brühe. Wo sind die Freunde, Verwandten? Hinter Telefonen und Kameras. Sind’s überhaupt dieselben?

„Der psychische Druck wächst, bei vielen liegen die Nerven blank. Die Corona-Abstandsregeln sorgen dafür, dass die meisten Menschen - vor allem Alleinlebende - weniger des Kuschelhormons Oxytocin produzieren. Wohl allen Menschen fehlt die Gemeinschaft. Das Glückslevel ist gesunken, bestätigt Hilke Brockmann, Soziologie-Professorin an der Jacobs University Bremen, und warnt: ‚Ein permanenter Angstzustand ist schädlich.‘“ Glücksforschung, www.br.de, 19.5.

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29. Mai, Gedanken von oben

Im Center ist wieder Leben, Abstände, viele Masken. Üble Gedanken von vor Wochen: Man vergisst einfach nicht, wie leer alles war. Fast ganz allein in der weiten Halle habe ich hier nicht malen dürfen - doch heute darf ich, wo viele sind, „Gemeinsam sind wir stark“.

Ich zeichne von oben und werde von den Leuten unten garnicht bemerkt. Gerät man sonst in Augenhöhe immer ins Visier und wird angesprochen, ist man hier oben unbemerkt, schaut ungeniert in Tüten und Wagen. Menschen rechnen nicht mit der Vertikalen, ausgerechnet die einzigen hochkantigen Tiere. Den Kopf hoch und runter zu drehen ist auch kompliziert: nach unten bekommt er ein Doppelkinn. Sieht man in Vorlesungen oft, wie sich jemand versunken ans Kinn fasst, davon erschrickt, den Hals streckt wie Nofretete, tastend, ob’s besser wird. Und nach oben ist’s auch nicht leichter: Bei Touristen in Kirchengewölben kann man beobachten, wie die Münder offen stehen, weil die Unterkiefer nicht nachkommen. Der Mensch ist auf seine drehbaren Augen angewiesen und deprimiert, wenn ihm auch das noch durch Brillenränder verhindert wird.

Wenn überhaupt hoch und runter, dann mehr nach unten als nach oben - offenbar in Erwartung, eher zu stolpern, als fallender Dachziegel. Dadurch neigt er zur Kurzsicht, weil sich am Boden nicht weit in die Ferne blicken lässt. Erstreckt sich die Tiefe doch mal etwas weiter, muss er sich wohl auf einem Turm, Berg oder Hochhaus befinden, was den meisten mehr oder weniger gut bekommt. Einige, fasziniert euphorisch bis größenwahnsinnig, mit Gedanken wie: Ach, was ist der Alltag da unten so nichtig. Andere mit Höhenangst. Die einen brauchen das Bergsteigen als Droge, die andern zittern schon, wenn sie nur daran denken, in jeder Hinsicht eine Ausnahmeperspektive. Von hier oben sieht man Menschen ohne Gesichter, nur Schädel. Alle Längen gestaucht, verschwunden, Hals, Arme, Beine, seine Größe, Art zu gehen. Ob er lacht, weint, wohin er seine Augen richtet, ob er überhaupt etwas sieht? Einfach ein Fleck, der ohne erkennbaren Grund von hier nach dort gleitet. Will man von oben herab gesellig sein, müsste man herunter rufen und hätte aller Augen gleichzeitig auf sich. Man könnte nie zu Einzelnen reden. Sollte ein Gott von oben herrschen, könnte er kaum Sympathie hegen, weil er einfach nicht „mit“ den Menschen ist. Die Raubvogelperspektive verleitet zu Unfug, etwa dem Einen zu verraten, was beim andern zu sehen ist, was der nicht sieht, denunzieren, stibitzen wie Max und Moritz durch den Schornstein. Unsere flatternden Balkonbesucher lassen immer Sachen fallen.

Gibt es überhaupt etwas von oben, womit sich reden ließe? Den Regen doch nicht? - Satelliten! Der Mensch setzt sich selbst Dinge an den Himmel, denen er sich unterwirft. Wir werden doch nicht gefragt, ob wir uns von Netzen einweben lassen wollen, nehmen es hin wie ein Naturgesetz. Könnte der Mensch sich selbst überhaupt daran hindern, Technik zu entwickeln oder zu gebrauchen? Wer sie entwickelt, müsste sich selbst Ideen verbieten - jeder sich - wenn nicht doch einer „Star-Links“ installieren soll.

31. Mai, Architekturkrise

Pfingstwochenende und kein Gothic-Festival. Keine weißhäutigen Vampire, barocken Reifröcke und grünhaarigen Manga-Girls, die sonst, für Bewunderer posierend, die Einkaufstraße zum Laufsteg gemacht haben. Keine Zuschauer, Fotografen, Zeichner. Doch, wenn man etwas wartet, ab und an welche. Touristen-Cafés wie das Riquet geschlossen, andere geöffnet, es ist auch schön, so ruhig. Tische und Stühle auf einen Bruchteil reduziert, in sehr angenehmen Abständen, man hat direkt Privatsphäre in der Öffentlichkeit. Wir hatten anfangs die Befürchtung, nie mehr einen Platz zu bekommen, aber es sind auch viel weniger Menschen und immer freie Plätze! Es fehlen Tausende, Amerikaner, Russen, Franzosen, sogar die Leipziger. Inflation oder Deflation - schwer zu sagen, die einen heben die Preise an, um die Ausfälle aufzuholen, die anderen senken die Preise, damit überhaupt ein Kunde kommt.

Seit Monaten denke ich, wenn meine menschlichen Zeichenmotive sich „quarantänisieren“, und ganze Plätze fahl grau in der Sonne gähnen, muss ich umsatteln, auf geisterstädtische Architektur etwa. Statische, konstruierte, geradlinige, unverrückbare, große Hüllen zur Bewahrung schutzbedürftigen Inhalts. Der Ingeneur oder Architekt hat sich etwas dabei gedacht, wenn er die Wände und Fenster auf diese oder jene Art gestaltet hat. Was sollte ich durch Zeichnung noch dazu beitragen oder da hineinsehen? Meine menschlichen Motive sind zwar ebenfalls gestaltet - Menschen kleiden und gestalten sich - aber nie so, wie sie’s gedacht haben, keinem gelingt die Selbstgestaltung so, dass er sagt: Fertig. Nicht einmal nach Schönheits-OPs. Wer versehentlich vor einen Spiegel gerät, denkt immer, dass er sich das so nicht gedacht hat, resigniert, oder korrigiert sich, nimmt eine Pose ein, mag sich dabei gefallen, macht Bilder davon, um festzuhalten, wie er sich am liebsten hätte, aber kann kaum sagen, er hätte sich so gemeint. Nicht wie ein Architekt sagt, er habe die Wände so gemeint. Architektur fängt beim Grundstein an, bei Stahlträgern, Fundamenten. Wer sich selbst gestaltet, fängt aber nicht an, sich Knochen zusammen zu basteln, er findet sich selbst vor, und noch dazu von Körperfunktionen in gestalterischen Eingriffen eingeschränkt, auf die Weise niemals vollkommen, dadurch zeichnerisch vielschichtig interpretierbar. Oder lassen wir den Architekten nicht von innen anfangen, sondern von außen, die äußere Erscheinung des Gebäudes skizzieren, bevor es gebaut wird, so kann der Mensch das bei sich selbst aber nicht: Er entwirft sich nicht, bevor er gemacht wird, er findet sich selbst vor, insofern kann er sich nicht so gemeint haben. Auch jemand anderes - Vater, Mutter - hat ihn nicht so gemeint. Und lassen wir auch das stehende Gebäude anders gemeint gewesen sein, Materialmangel, amtliche Genehmigungen, es war dennoch auf eine Weise gemeint, wenn nicht so, dann anders, was der Mensch nicht von sich sagen kann, er hat sich weder so noch anders gemeint, noch hat ihn jemand so gemeint, er kann überhaupt nicht gemeint gewesen sein, deshalb vielleicht ist er so gut zu zeichnen, weil man ihm das Meinen erstmalig in der Zeichnung hinzufügen kann. Ich zeichne ihn so, wie ich ihn meine, genau genommen schafft ihn der Zeichner erst. Menschenzeichnen ist Kunst von nicht Gemeintem, Architekturzeichnen Kunst von Gemeintem. Ersteres nach Entstandenem, letzteres nach Gemachtem, Kunst nach Kunst. Ja, Feininger konnte das. In Altenburg vor zehn Jahren ein Nebenräumchen mit Holzschnitten von ihm, an die ich seitdem immer denke. Zarte, virtuose Schwarzlinien, mit einer genialen Leichtigkeit, wie mit langem Pinsel unter halb geschlossen Augenlidern dahin gestreut, alles von derselben kristallin splittrigen Konsistenz: Schiffe, Menschlein, Gebäude, Wolken, alles aus selber Art Materie, bzw. der Materie entzogen, entmaterialisiert, Geist, Gedanke. Auf einem Foto sitzt er beim Kaffee am Gartentisch zurück gelehnt in Gesellschaft, auf dem Schoß einen Holzschnitt, als wäre Holzschneiden humorige Gedichte lesen. Feininger müsste man sein.

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1. Juni, Abstand! Abstand!

Im Zug wieder so dermaßen leer und gefährlich, dass der Lautsprecher immer zu „Mund-Nasen-Bedeckung“ und Abstand mahnt. Falls der Mann dort ein Spitzel ist, tragen wir auch gehorsam unsere Masken, als der Lautsprecher sagt: Bitte beachten Sie die aktuellen Reisebeschränkungen. Oje, sag bloß, wir dürfen immer noch nicht …?

Bernburg: ein lebenswertes Städtchen, nur etwas ausgestorben wie alle Orte, leerstehende Läden, verfallene kleine Häuserzeilen aus mehreren Jahrhunderten, verrottende Villen, letzter Schmuck alter Pracht. Überall fehlt Geld. Wie großartig hoch die Burg auf dem Abhang heller Mauern, die noch Jahrtausende überdauern könnten. Brücken über die Saale, Fabrik-Ruinen an der Schleuse. Leuchtend bunte Steinchen, in eine lange Reihe den Wegrand entlang gelegt. Ja, die Leute haben alle Arten von Steinen gesammelt, ihnen Gesichter dran gemalt, Punkte, Streifen, Glitzerfarben, Bienen, Käfer, Hunde und Katzen daraus gestaltet, Federn angeklebt, Botschaften drauf geschrieben, ein Goethezitat, Namen und Grüße, um sie zu einer immer länger wachsenden Reihe aneinander zu legen. In Leipzig gibt es das auch: Zur Ermunterung in „Corona-Zeiten“.

Die Fähre zum anderen Ufer kommt an. Manche sehen eine Fracht Viren winken und ziehen sich Masken über. Ohne Eile gemütlich an Bord. Der Mann drei Meter vor uns macht aggressiv mit der Hand, als müsste er uns abwehren: „Abstand!“ - meine Güte, wieviel denn noch? Sitzbänke an der Reling entlang, kein Innenraum, frische Luft zieht über den Fluss, alle in guter Distanz, da bellt’s schon wieder von der Seite: „Abstand! Abstand!“. Wir drehen uns um, wieder derselbe meint schon wieder uns. Zugegeben, diesmal sind’s wirklich nur die gesetzlichen anderthalb Meter, wir hätten ihn mit dem Hinterkopf anhusten können. Mit gegenseitig ausgestreckten Armen hätte man aneinander gereicht, gefährlich, gefährlich. Am anderen Ufer schönste Wege am Fluss entlang, ein Tierpark, Natur, naja, Gestrüpp.

Hygiene-Demo für Kaffee und Kuchen

Zurück in der Stadt ein schönes Café. Wir warten ein Weilchen, bis ein Tisch frei wird. Da kommt eine Familie, drei Generationen, die mag nicht erst warten und schickt uns ihre forsche Omi vor die Füße, um als sakrosanktes Alters-Argument den frei gewordenen Tisch zu okkupieren: Die Schwächsten an die Front. Also, bei allem Respekt - wir nehmen einfach den Tisch. Nun kommt die Familie nach, uneinsichtig, warum sie wie wir warten sollte und greift zu prä-coronaler Belagerungs-Taktik: Ob sie da nicht zu sechst noch mit uns Zweien zusammen an den kleinen Tisch …, wie ein Kuckuck, bevor er die anderen aus dem Nest wirft. Sie finden aber bald etwas besseres, zwar nicht die typischen Lieblingsopfer, Alleinstehende mit Buch, aber ein gutmütig dreinschauendes Rentnerpaar. Unglücklicherweise ist dieses aber nicht für eine „Hygiene-Demo“ zu begeistern. Der Resourcenkampf entspannt sich, als woanders ein Tisch frei wird - sie haben nicht einmal warten müssen. Ob sie immer gegen die Abstandsgebote demonstrieren, oder nur jetzt eben, weil es um Kuchen geht?

Hoch zur Burg, wo ich zeichne. Ausblick auf Fluss und Ufer, weite Felder und Windräder. Was war hier ein Gewese und Gemorde, damit man heute schulterzuckend fragt: Welfen? Staufer? Wer wen noch mal?

Am Abend Einkehr in anderem Lokal. Der Kellner reicht uns Kugelschreiber und Speisekarte, Moment, die sieht merkwürdig aus: Name: Vorname:… eine Tabelle, keine Speisekarte.
„Bitte einmal eintragen, damit wir Ihre Daten amtlich übermitteln können.“ - Wie bitte? Wir räumen den Platz. Nebenan ein Döner-Lokal mit weniger Virengefahr, lässt uns ungelistet, unpolitisch sitzen.

Rückfahrt im Zug. Zwei Stunden stumm in Masken. Aus dem Fenster fast leere Bahnsteige. Überall die Anzeige: „Schön, dass Sie da sind. Hier am Bahnhof sehen wir Sie am liebsten mit Mund-Nase-Bedeckung und Abstand. Bleiben Sie gesund.“ Manchmal steht tatsächlich jemand in dörflicher Landschaft einsam am Gleis allein mit verhülltem Gesicht. Fast möcht ich der Bahn auch mal sagen, wie ich sie am liebsten sehn würde.
Umstieg in Halle, manche Leute bedeckt, manche offen. Immer die Anzeige: „sehen wir Sie am liebsten mit Mund-Nase-Bedeckung und Abstand.“ - es sei denn, Sie sind schwer bewaffnet, dann ist das natürlich etwas anderes: Eine Bande von 10 Polizisten in schuss-sicheren Westen, mit Schlagstöcken und Pistolen steht dort beisammen ohne Masken, einer ein großes Gewehr nach oben gerichtet in Händen haltend. Ich weiß nie: nur eine Droh-Kulisse? Oder meinen sie’s ernst, falls jemand aus Versehen hustet? Oder dass sich das Virus nicht in die Halle hinein traut? Wollen sie notfalls auf Viren schießen? Oder auf Kranke? Ich weiß einfach nicht …

4. Juni, „Das müsste jetzt doch schon im Blut sein“

Ich weiß von einer Krankenschwester, die Hausverbot in einem Baumarkt hat, weil sie die Maske nicht trägt. Vor Kurzem noch Jubel und Applaus, aber jetzt kommt eine solche in den Baumarkt, erklärt die Maskenpflicht im Alltag für unsinnig, und erhält Hausverbot. Nachdem sie die ganze Woche auf der Intensivstation tags und nachts, steril desinfiziert, maskiert, wirklich Leben rettet, bekommt sie jetzt von Hobby-Maskenträgern im Baumarkt Hausverbot.

„Eine Minute lang wurde am vergangenen 20. März im ganzen Land von Balkonen, aus Fernsehstudios und Wohnzimmern den Helden der Stunde applaudiert: dem Gesundheitspersonal.“ www.zeit.de, 7. April.
„Corona-Helden. Deutschland applaudiert!“ www.healthwork-online.de.

(„Euren Applaus könnt ihr euch sonst wohin stecken“, Nina Böhmer, Juli 2020)

Ein Grafik-Laden am Leipziger Rathaus beklagt sich über die Kunden: „Ich höre öfter mal am Tag: Oh, da muss ich mir mal noch was überziehen. Wo man eigentlich sagt, das müsste jetzt doch schon im Blut sein.“ www.mdr.de

Es ist auch sonst bekannt, dass es den Kunden nicht recht ins Blut will und sie deshalb wenig kaufen. Trotzdem werden die Regale leerer. Die Tiefkühltruhe im Rewe bis auf kleine Stapelchen ausgeräumt mit Lücken, wo schon Boden ist. Wir wussten kaum, dass die Truhen überhaupt einen Boden haben. Man kann froh sein, dass noch Maskenpflicht ist, sonst wären die Läden längst leer gekauft.

Es wird weiter gepeppt, Frau Lagarde hat noch viel aus dem PEPP zu zaubern, schon unglaubliche 1,35 Billionen, vierzig Prozent des BIP! Es sprudelt nur so heraus wie Konfetti und Glitzer, und plopp, ist’s schon wieder verpufft, wer weiß, wo das eigentlich her kommt und hin geht.

5. Juni, Corona-Denkmale

Die Steiermark ruft Künstler dazu auf, ein Corona-Denkmal zu entwerfen, wie die Dankessäulen damals nach der Pest. Der Auslober erinnert daran, dass 1680 in Graz die Schulen geschlossen wurden, und meint: wie nun wegen Corona Schulen, Kindergärten, Gasthäuser, Baumärkte, Friseursalons, Spielplätze und Parks - dass es sich schlimmer liest als bei der Pest.
Ich stelle mir vor, wie unsere Enkel vor dem Corona-Denkmal stehen und sagen: Was, wochenlang nicht frisieren lassen? Oder Tapete aus dem Baumarkt holen. Corona war so gefährlich, man konnte nicht mal allein auf der Wiese sitzen oder ein Buch auf einer Parkbank lesen.

Ergänzung: Es hat das Parlament nicht mehr getagt, es wurden Interviews von renomierten Ärzten gelöscht, gesunden Menschen der Kontakt verboten, Väter durften nicht zur Geburt ihres Kindes, Familien nicht zu Beerdigungen, Polizei ist in Wohnungen eingebrochen und hat dort Platzverweise erteilt, es wurde für manche der 12-Stundentag eingeführt, wurden Arbeiter „kaserniert“, Zwangsimpfung erwogen gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Leute von der Polizei abgeführt, wenn sie das Grundgesetz in der Hand gehalten haben, ab jetzt registriert der Staat, wer im Gottesdienst sitzt, wer wo einkehrt oder demonstriert, eine Währung bricht zusammen, man nennt es „Zeitenwende“, und die meisten finden’s gut, wenn nicht sogar zu lasch.

„Emergency Break“, Sächsischer Kunstverein. „Das Szenario wirkt wie eine Probe für den Ernstfall, dennoch surreal.“ Ich denke auch: Was will man tun, wenn irgendwann wirklich einmal etwas umgeht wie die Pest - nicht Null Komma, sondern 60% Tote. Sind wir dann gewappnet - durch Ernstfall-Proben, Insolvenzen, Armut? War‘s nicht eher Armut, die schon immer Seuchen begünstigt hat?

6. Juni, Maserung

Der Baumarkt-Spion wird bald misstrauisch, warum ich mal ein großes Kiefernsperrholz, mal die dünnen Latten, mal ein Buchenleimholz nehme: Die weiß wohl nicht, was sie bauen will. Aber wenn man nachher einen Holzschnitt daraus macht, ist’s wie mit Pinocchio, muss man sich überlegen.

Ein Tumult heute - brauchen nach dem „Lock-down“ alle neue Fliesen und Rasenmäher. Wagen scheppern, der Service am Sägen wie für ganze Blockhäuser, Kinder toben, eine Familie mit Sack und Pack am Campen, Schlangen, Trauben, alle in Masken, aber ohne jeden Abstand. Mancher mit schweren Augen wischt sich die rote Stirn, das 60-Grad-Gewächshaus unter der Maske kaum aushaltend. Andere frischen Schrittes, safe und clean mit noch nie so viel hygienischer Frischluft wie unter ihrer engelhaften „Mund-Nasen-Bedeckung“. Ein Kind räumt alles aus und legt es um, die Mutter mit Maske kann sich nicht durchsetzen. Eine andere, dauerhaft am Flasche-Trinken, um die Maske unterm Kinn zu lassen. Ich inspiziere wieder eine Maserung, als eine Frau mit Freund sieht, was ich da habe: „Schatzi, guck mal, brauchst du nicht auch sowas?“. Wie Enten, als hätte ich ein Stück Brot, kommen sie zu mir, Schulterkontakt, weil sie genau sowas brauchen, was ich in der Hand halte. „Schatzi“ streckt den Arm aus, mir direkt vors Gesicht. „Hm, Schatz, meinst du?“ - „Na, wenn man das noch anstreicht?“ Und wenn ich nun sage: „Können Sie kurz warten?“, heißt’s nachher, ich verbreite Corona-Hysterie mit Abstand? Und wenn nicht, bin ich Gefährder. Den einen wie den anderen gilt man als asozial. Wir alle sind nur noch Asoziale.

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7. Juni, „Wessen life does not matter?“

„Black lives matter!“ Wie kann man so etwas..., ich meine, wer das sagt, muss das vorher in Frage gestellt haben, ob „black lives matter.“
Tausende stellen sich tatsächlich diese Frage, oder lassen sie gelten, um zu dem gnädigen Schluss zu gelangen, dass „black lives matter“. Ich wollte sagen, jedes Leben, aber habe mich aufklären lassen: Es sei rassistisch, wenn all lives matter. Man muss die Schwarzen unbedingt von all ausschließen, sie sollen nicht dazu gehören, damit man kampfesmutig sagt: „Black lives matter“, obwohl - steckt in der Aussage zwangsläufig - oder weil? Wenn nicht all, dann offenbar auch, oder vor allem oder nur? Und wessen life does not matter? Wie auch immer gemeint, jedenfalls unverblümt rassistisch. Aber wer sich dem anschließt, fühlt sich ganz auf der guten Seite.

Tausende Aktivisten in Leipzig nehmen all ihre Zivilcourage zusammen, um dieser Mehrheitsmeinung Ausdruck zu verleihen. Vor dem Alten Rathaus im Refrain Schlachtrufe, die Sprecherin gibt in herrlicher Verausgabung spitze Kreischlaute wie aus mehrläufigen Kanonen von sich, unter kriegerischer Trommelbegleitung, offenbar kurz davor, unsere Regierung zu stürzen. „Rassismus ist nicht nur in der AfD, auch in der Polizei! Widerstand gegen die Polizei-Gewalt! Gegen Hass! Für Zivilcourage!“ Gemeint ist natürlich nicht der eigene Rassismus. Auch der Mord in Amerika wird mal erwähnt, aber hauptsächlich der unsichtbare Rassismus, der sich versteckt. Der sei überall und brandgefährlich, weil man nichts davon bemerke.

Polizei, dezent am Rande, ebenfalls kaum zu bemerken. Widerstand? Sogar das Engstehen ohne Masken wird nicht moniert. Eine Demo, mit der Polizei Politik und Presse übereinstimmen. „Black lives matter“ steht unübersehbar über dieser „Pandemie“, über „so retten wir Leben“, über „jedes Leben zählt“.

Aber dann hörte ich etwas Undenkbares: Wie wär’s, wenn Schwarze in Ghana auf einem Markplatz in die Welt hinaus brüllen: „White lives matter“? - absurd? Weil diese Forderung nur dem Überlegenen zusteht, der kolonialherrisch schon immer „black lives“ zu seiner Angelegenheit gemacht hat, erst zu deren Nachteil, jetzt Schutz. Wir wollen gar nicht dran denken, dass weder Leipziger Jugend einen Schwarzen versklavt hat, noch dass irgendein „alter weißer Mann“ heut sowas je getan hätte, undenkbar, dass ein Schwarzer in Leipzig keine Läden betreten dürfte. Wir sind weder die spanischen Eroberer noch amerikanische Unterdrücker, genauso wenig wie wir schwarze Sklaven sind, „ethnisch“ wie historisch sind wir weder die einen noch die andern, noch Nachkommen. Nichts hindert uns, sich einander unvoreingenommen zu begegnen, wie man‘s ahnungsloser Weise versehentlich immer getan hat … Wie? Neutral geht garnicht, das wär rassistisch? Wir müssen uns identifizieren - Möglich, dass sich manch empfindsames Gemüt dann selbstverständlich mit Unterdrückten und keineswegs den Gewalttätern identifiziert. - Was nicht sein darf? „Diversity“ und fließende „identity“ ja, aber hier sind klare, indiskutable Grenzen: Der weiße Deutsche hat sich in der Kette spanischer Kolonialherren oder amerikanischer Ausbeuter zu sehen, er trägt ihre Schuld, Erbschuld, ums den „andern“ - das sollen die „Schwarzen“ sein - irgendwie wieder gut zu machen. Nicht zu vergessen: Zugewanderte Deutsche, ob asiatischer, arabischer, afrikanischer, sonstiger Abstammung zählen natürlich nicht zu den Schuldigen. Nur deutscher Abstammung - ganz völkisch, genetisch gedacht.

Ich überlege oft, wie ich zeichne. Wo sind die Schwarzen in meinen Bildern? Nun ja, Leipzig hat kaum Schwarze, und würde ich trotzdem welche hinein malen, weil ich sie etwa schön finde, wäre das auch wiederum rassismus-verdächtig. Fragt man mich als Maler, hat Leipzig auch keine Weißen. Unser rot-grün-bläulich geädertes, ockergraubraun ist nie und nimmer aus Weiß zu machen. Ich male die Haut garnicht, lasse sie je nach Papierton, hellblau, hellgrün, gelblich, weiß, braun oder in sonst einem undifferenzierten rassismus-verdächtigen all aus rein praktischen Gründen. Wenn das nicht der unsichbare Rassismus ist. Auch alle anderen Farben der Kleidung und Gegenstände sind all austauschbar.

Und wenn ich doch einmal eine Hautfarbe ausmale? Und die Ausgemalte ausgerechnet zwar nicht schwarz, aber dunkel ist, in den Vordergrund gerückt und abseits von der Gruppe steht wie hier? Zufällig war die Situation tatsächlich so. Und wenn nicht all lives matter, versuche ich einmal zeichnerisch, dass „black lives matter“. Zugegeben, man kann auch aus kompositorischen Gründen eine dunkle Haut mal dunkel malen und sich damit ebenfalls rassismus-verdächtig machen. Malen ist schwierig, schwierig, schwierig. Man kommt um Farbe nicht herum.

10. Juni, unnötiger Lock-down, schädliche Masken

„Virologe Streeck stellt deutschen Corona-Kurs infrage: Lockdown war womöglich unnötig […] Den Start der Corona-App empfindet Streeck nicht nur als ein ‚bisschen spät‘ - sondern zweifelt auch an der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit des Mittels: Es sei unklar, ‚ob sie überhaupt etwas dazu beitragen kann, in Deutschland eine Pandemie zu kontrollieren‘. Ebenso äußert Streeck Kritik an der Maskenpflicht: ‚Am Anfang der Pandemie wurde ja dezidiert gewarnt vor Masken. Die Gründe dafür gelten immer noch, auch wenn sie merkwürdigerweise keine Rolle mehr zu spielen scheinen. Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen. Das ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze.‘“ www.merkur.de.

„Die WHO hatte zuvor gesagt, dass Schutzmasken aus Stoff oder aus Supermärkten empfehlenswert seien. Nun behauptet sie, dass solche Masken das Risiko einer Ansteckung auch erhöhen können […] Medizinische Masken seien sinnvoll für Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Corona-Patienten sowie ihre Pflegekräfte und Menschen ab 60 oder gesundheitlich vorbelastete, hieß es von der WHO auch.“ dwn

„Berlin erlaubt Christopher Street Day am 27. Juni“ dwn

13. Juni, In jedem Kopf ein Doppelleben

„Ohne Ausgangssperren wären Hunderte Millionen Menschen mehr infiziert worden“, web.de.

Nun, Ausgangssperren aufgehoben, Virus noch da, und sofern es nicht von seiner Idee der exponentiellen Verbreitung abgerückt ist, warten wir eben jetzt auf die Hunterte Millionen. Die Krankenhäuser haben wieder Normalbetrieb, die üblichen Kapazitäten. Warum auf einmal, was vor Monaten nicht hat sein dürfen?

„Jens Spahn: Können mit derzeitigem Infektionsgeschehen ‚gut umgehen‘“.
„Mit Blick auf die angekündigte Großdemonstration [gegen Rassismus] an diesem Wochenende sagte Spahn, zu demonstrieren und seine Meinung zu äußern sei ein wichtiges Grundrecht. Gleichzeitig sei er besorgt bei den Bildern von dicht gedrängten Menschen. ‚Deshalb kann ich nur an die Vernunft appellieren und an die Rücksichtnahme aufeinander.‘“ web.de.

„Trotz Kritik: Thüringer dürfen sich wieder uneingeschränkt treffen“
„Familienfeiern, Essen in größeren Runden, Anstoßen bei bestandenen Prüfungen: In Thüringen sind solche Zusammenkünfte von diesem Samstag an wieder möglich.“
web.de.

Möglich? Nicht seit Wochen wieder üblich?
Alltag auf der einen Seite, Presse auf der anderen.
Getan wird dies, gesagt wird das.
Parallelwelten, Zwiespalt, in jedem Kopf ein Doppelleben.

14. Juni, Paralleljustiz

Nun „soll in Berlin gesetzlich eine neue Behörde unter dem Namen ‚Polizeibeauftragter‘ eingerichtet werden. Diese Behörde soll die Polizei überwachen […] Dabei geht es um Daten zur politischen Gesinnung, sexuellen Orientierung, Gewerkschaftszugehörigkeit und weiteren Dingen, ohne dass es Schutzvorschriften gibt, etwa Löschungsfristen oder Auskunftsrechte. Doch für Kriminelle gelten bereits jetzt diese Schutzvorschriften - nur für die Polizeibeschäftigten sollen die Schutzvorschriften nicht gelten. Hier wird de facto eine Paralleljustiz installiert“, Rainer Wendt in den dwn.

Hormon(fern)gesteuerte Frauen

„Mikrochip-Implantate sind trotz aller Widerstände im Kommen. Ihre Anwendung könnte auf Pädophile und Schwerverbrecher beschränkt werden. Doch auch bei Demenz-Kranken könnten sich Implantate unter Umständen lohnen.“
„ […] GPS-fähige Chips zur Verfolgung von Angehörigen mit Demenz“.
„Viele Eltern werden sich tatsächlich sicher fühlen, wenn sie in Echtzeit verfolgen können, wo sich ihre Kinder befinden, angesichts von Entführungen, Kinderhandel und all dem“, dwn, 14.6..

„Mami, wann darf ich ohne Chip gehen?“
„Später Schatz, später.“
„Meine Freunde dürfen schon alle ohne Chip.“
„Wenn die anderen so leichtsinnig sind, bitte. Mit uns nicht!“
„Aber ich bin doch schon zwanzig. Der Ben hat gesagt, er trifft sich nicht mit Gechippten.“
„Ach, daher weht der Wind! Da gehen wir morgen gleich zum Arzt und implantieren dir noch einen Chip zur Verhütung.“

„Vergessen Sie die Pille - jetzt kommt der Verhütungs-Chip!
Der Chip soll circa zweimal zwei Zentimeter groß sein und könnte während eines kleinen Eingriffs bei örtlicher Betäubung unter der Haut eingesetzt werden. Anschließend kann die Frau ihn per Fernbedienung aktivieren […] derzeit noch erhebliche Probleme mit dem Datenschutz: So sei das Funksignal zwischen Implantat und Fernbedienung bislang nicht verschlüsselt. Dadurch könnte ein Hacker, der einer Verhütungs-Chip-Benutzerin Übles will, es ganz einfach an- oder abschalten.“ www.focus.de, 21.8.2014

Vier Jahre später ist das Problem gelöst, die hormon(fern)gesteuerte Frau ist vor Hackern gefeit, und hat „die Wahl, ob der Chip am Oberarm, Bauch oder Po eingepflanzt werden soll.“ www.rtl.de, 26.3.2016.

15. Juni, Ein gefährliches Buch

„Corona: Fehlalarm?“ von Bhakdi. Amazon will’s nicht als E-book listen, muss ein gefährliches Buch sein. Nicht nur gegen Maskenpflicht. „Als wissenschaftlich unsinnig bezeichnet er [...] vor allem ‚das Hochfahren von Testungen, wenn eine Epidemie zuende geht‘.“ „Die Vorstellung, dass man einen Impfstoff gegen diesen Erreger entwickelt, ist geradezu laienhaft, dass es wehtut.“ Rubikon.

Aber wenn nicht wissenschaftlich - irgend einen Sinn wird’s vielleicht ergeben: Die EU bestellt 400 Millionen Dosen Impfstoff bei einer Firma, obwohl der noch gar nicht fertig entwickelt ist, und man nicht wisse, ob die Entwicklung Erfolg habe, und wer von den vielen forschenden Einrichtungen weltweit Erfolg haben wird. ard.de.
Wie damals 2006, als die Vogelgrippe dann aber nur bei Vögeln aufgetreten ist. 200 Millionen Euro für Tabletten in Deutschland, die es dann nicht brauchte. Wodarg im Deutschlandfunk, 18.12.2009.
Oder 2009, als die WHO wegen der Schweinegrippe Alarm geschlagen hat. 34 Millionen Dosen Impfstoff für die Bundesländer, der größte Teil danach vernichtet. 280 Millionen Euro für die Pharmaindustrie. www.aerzteblatt.de, 2011
Ich meine, wenn Geld der Grund sein soll, kaufen wir einfach Corona-Impfstoff, aber brauchen doch die Impfpflicht nicht. Wir vernichten‘s einfach, wie sonst auch.

16. Juni, „Corona ist und bleibt absolut tödlich“

„Corona ist und bleibt absolut tödlich“, Söder, www.infranken.de. Wir kennen das von der Tollwut. Unerhörtes Glück hatten die 99,7 Prozent Corona-Überlebenden, dass sie zu den null Prozent gehören, die überhaupt überleben können. Dass sie das absolut tödliche Virus irgendwie doch überstanden haben, meistens ohne Symptome.

„Bürgermeister zeigt sich selbst an […] Geplant war nur ein Ellenbogenkontakt, doch nach drei Monaten geschlossener Grenzen fallen sich der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) und sein Amtskollege aus dem polnischen Slubice spontan in die Arme.“, „Wir haben da kein Verbrechen begangen. Unsere Zusammenarbeit funktioniert einfach sehr gut, das kam spontan.“ www.welt.de, sozusagen ein neuer „Bruderkuss“ von Honecker und Brezhnev, nun keine Frage der Ästhetik, man kann das ganz wissenschaftlich betrachten: Was wird Herr Drosden dazu sagen?

Andererseits: „Italienische Ärzte, die mit Erkrankten zu tun hatten, bestätigen, was kritische Stimmen schon lange vermutet haben: Covid 19 ist ‚nicht schwerwiegender als andere saisonale Coronaviren‘. Nicht alle Toten, von denen die Rede war, waren wirklich ‚Corona-Tote‘“.
Die Ärzte wenden sich in einem offenen Brief an die Regierung:
„Wir melden auch, dass sich gerade in diesen Tagen die Einweisungen geschwächter Personen nach längerem Mundschutz-Tragen erhöhen, besonders auch im Zusammenhang mit den Außentemperaturen […] Bis heute besteht trotz eines klaren positiven medizinischen Bildes eine beeindruckende Zahl von Auflagen und Verboten fort, die einer wissenschaftlichen oder rechtlichen Legitimierung entbehren.“ Rubikon

18. Juni, „Das Immunsystem probt den Krieg“

Sieben von den zwölf Corona-Impfungen, die gerade getestet werden, sind Gen-Manipulationen am Menschen. W. Wodarg im Rubikon

Man kann es mit dem Mainstream noch brisanter ausdrücken: „Das Immunsystem probt den Krieg“ n-tv, 23.4.
Forscher wollen eine Gen-Matrize „programmieren“. Es werden nicht wie bei Impfungen bisher natürliche, tatsächlich existierende tote Viren eingespritzt, sondern „programmierte“ Gene, die unser Körper nachbilden soll.
Wir brauchen also kein Virus, sondern bilden es selbst, nach dieser „programmierten“ Gen-Matrize. Genau gesagt, die Außenhülle des Virus, wogegen unser Immunsystem Antikörper entwickeln soll.

Das sei mit jedem beliebigen Eiweiß möglich. Genial! Man bräuchte keinen Feind mehr, baut sich einfach einen zurecht, falls im Ernstfall theoretisch ein solcher kommen könnte. Man muss es nicht mal bei Viren belassen.

„Geplante ‚Impfungen‘ verändern uns genetisch“
„Was wurde geschimpft und protestiert, als Monsanto & Co. das Saatgut gentechnisch veränderten […] Doch was ist da passiert, wenn sogar ein Parteichef der Grünen jetzt der Bevölkerung mit zwangsweiser Genmanipulation droht? W. Wodarg im Rubikon

„Habeck über die Grünen in der Coronakrise
‚Ich vermisse die Verantwortung‘
‚Ich würde jetzt gern in der Regierung sein‘, sagte er.
Angesichts der Pandemie sprach sich Habeck für eine Corona-Impfpflicht aus, falls sich nicht ausreichend viele Menschen freiwillig impfen lassen würden.“, und fordert eine „neue Mitte“. www.spiegel.de, 22.4.

Die Impfung schlechthin
Man kann gegen alles geimpft sein, Impfungen empfehlen wie Bhakdi. Nur wer gegen die Corona-Impfung ist, wird Impfgegner geschimpft.

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21. Juni, Bundestag adieu

Das Barfußgässchen lebt wieder. Menschen über Menschen. Jedenfalls am Samstag. Touristen, Junggesellinnen auf Abschiedsparty, Paare. Hat einer sein Glas halb ausgetrunken, blickt, mit Portemonnaie gezückt, nach dem Kellner, stellen sich schon die nächsten daneben und legen die überhängenden Bäuche auf seine Tischkante, eine Art zu reservieren. Eine Mutter steht auf, verschwindet kurz, der kleine Junge, sogleich von drei Figuren umzingelt, blinzelt scheu in die Runde. Vorbei die Zeit der Abstände und Masken.

Ach nein: In Geschäften ist alles leer, und wo’s leer ist: Masken.
Die Epidemie - vorbei? Bundestag voran! Nein, irgendwie … stört der doch nur, haben uns gerade so an die Exekutive gewöhnt. Wir könnten doch die Maßnahmen einfach verlängern?

Nur so ein Gesetzentwurf:
Problem: „Der Bundestag ist verpflichtet, die Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite aufzuheben, weil seine Voraussetzungen nicht mehr vorliegen.“ - schon schade..
„Fast alle erlassenen Rechtsverordnungen treten mit Aufhebung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite [...] außer Kraft.“
„Eine solche Rückholpflicht des Bundestages durch den Beschluss, dass die epidemische Lage von nationaler Tragweite nicht mehr besteht, ergibt sich auch aus dem Grundgesetz.“ - ja, immer dieses Grundgesetz.
Die Lösung: Die Paragraphen zur Aufhebung der Maßnahmen werden einfach aufgehoben. Weiter geht’s also! Zunächst mal bis zum 30. September. Gesetzentwurf der FDP, C. Lindner.

Welche Maßnahmen eigentlich? Da ist doch eine Liste: betrifft vor allem Krankhäuser und Pflege, Kapazitäten, Beschaffung von Medikamenten … Klingt erstmal sinnvoll. Klingt nach einem alten Problem. Klingt, als wäre das Gesundheitswesen jetzt wirtschaftlich so an die Grenzen gestoßen, dass es nur noch mit Notverordnungen auskommt? Da braucht es die Epidemie garnicht, ist es so?

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25. Juni, Das höchst moralische Virus

Masken trägt man in leeren Zügen und leeren Geschäften, nicht in Massentourismus und Kneipen. Auf Grundgesetz-Demos unbedingt und mit Abstand, auf Rassismus-Demos nicht und ohne Abstand. Ein moralisches Virus.

Beim Bäcker ein Schild: Maskenpflicht. Christoph tritt ein mit Maske. Sieh an, sitzen dort in Sesseln mit Kaffee und Kuchen alle völlig unmaskiert, die Verkäuferin hinter der Scheibe über den Brötchen - unmaskiert, ein Schild: Die Verkäuferin braucht keinen Mundschutz. Soll Christoph als einziger hier … ? Zieht sich entsetzt die Maske weg, sogleich zurecht gewiesen: „Bitte nur mit Maske!“ Ja aber die anderen Leute, und Sie, warum soll ich hier als einziger... ? „Ja, im Cafébereich und die Verkäufer benötigen keine, aber Sie bitte … “ - Ist das eine Sekte? Gehöre ich nicht dazu?

Nein, die Sache ist nämlich so, um das einmal epidemiologisch zu erklären: Hinter dieser Scheibe, wo die Verkäufer über den Brötchen zugange sind, ist alles clean, virenfrei. Die Verkäufer haben keinen Umgang mit Familien oder Freunden, gehen niemals durch die Stadt, nicht einkaufen oder Bahn fahren, sie schlafen hier im Laden direkt bei den Brötchen, quarantänisiert in hygienischer Inklusion. Und wenn nicht, dann ist das Virus so vernünftig, nicht auf die Brötchen zu springen. Die Scheibe ist zudem so konstruiert, dass von der Verkäuferseite nichts zum Kunden hindurch kommt. Alles, was durch das Loch der Scheibe von außen hinein gereicht wird, bekommt auf der Verkäuferseite eine heilige, reine Aura, sodass der nächste, wenn wieder etwas zurück gereicht wird, auch nichts befürchten muss.

Anders der Kunde: Er kommt von der Straße, aus der Stadt, von seiner Familie, und pflegt sonst welchen unhygienischen, kritikwürdigen Umgang, woher er mit großer Sicherheit das, so Söder, „absolut tödliche Virus“ einschleppen muss. Von Kunden-Seite ist die Scheibe unglücklicherweise auch völlig durchlässig. Wenn er seine Maske nicht trägt, wird alles durch die Scheibe hindurch auf die Brötchen und die Verkäufer rüber gespuckt. Ohne Maske ist er mit Sicherheit schwer erkrankt, höchst infektiös, Virenschleuder, Mörder. Erst wenn er sich die heiken Organe mit dem Stoffstückchen, welcher Art und Dichte auch immer, bedeckt, ist die Gefahr gebannt, braucht er wegen keinerlei Krankheit verdächtigt zu werden. Mit Maske sieht er gleich so gesund aus, makellos, ein guter Mensch, Lebensretter, blinkt ihm so ein zarter Heiligenschein über dem Kopf.

Will einer von seiner sündhaften Virenverseuchung sauber werden, gibt es aber auch noch die Möglichkeit, sich Kaffee und Kuchen zu bestellen, und an den engen Tischen, in Sessel gekuschelt, zwischen geselligem Kommen und Gehen zu verweilen. Hier ist ein ebenfalls geweihter, ehrwürdiger Bereich, den das Virus nie wagen würde, zu betreten. Es fällt direkt bei den Raumteiler-Kordeln vom Kunden ab, der bereinigt mit bestem Gewissen die Maske in die Tasche knüddelt.

Maskenmoral:
„‚Sie gefährden mich, wissen Sie das eigentlich?‘, das fragte neulich ein Fahrgast mit Maske einen Fahrgast, der keine Maske trug […]
Mindestens 20.000 Euro, besser aber noch 35.000 Euro Strafe für von der Maske nicht begeisterte Personen sollten es schon sein. Sie gefährdeten schließlich ihr Umfeld, nehmen deren Krankheit und auch Tod in Kauf. ‚Wer mich töten will, den werde ich zuerst töten‘, schloss er seine Einschätzung und wanderte so von einer saftigen Geldstrafe gleich hinüber zur Lynchjustiz, als sei das dasselbe. Applaus war ihm natürlich sicher, endlich sagts mal einer.
Die schlimmsten Leute seien die, liest man da häufig, die die Maske nur tragen, weil sie sie tragen müssen […] Sie tun es nicht aus Leidenschaft, nicht gern - weil sie andere schützen dürfen. Sie tun es, weil man sie drängt.“ Roberto J. De Lapuente, Rubikon

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1. Juli, Wir genießen die Kultur

„Im Saal dürfe die Maske auf dem festgelegten Sitzplatz künftig abgenommen werden. ‚Man kann die Kultur dann eine Stunde oder eineinhalb Stunden, je nachdem wie das Ganze dann konzipiert ist, ohne Maske genießen‘.“ Söder in www.nordbayern.de
„Das Infektionsrisiko bestehe grundsätzlich auch im Kulturbereich, mahnte der Ministerpräsident: ‚Wir erleben das gerade am Staatstheater Nürnberg. Dort ist eine einzige Infektion zustande gekommen, die wieder den ganzen Betrieb lahmlegt [...]‘.“

Während Herr Söder „die Kultur genießt“, „je nachdem wie das Ganze dann konzipiert ist“, und eine einzige Infektion den ganzen Betrieb lahm legt, liegen Gruppen zu Zwanzig in Leipziger Parks, wie Seerobben-Kolonien. Alle Gabeln in denselben Kartoffelsalat. Wird sicher mehr als nur eine einzige Infektion gelingen - also „zustande kommen“ mit diesem, so Söder, „absolut tödlichen Virus“. Wer soll das nachher zählen? Ist einer heute laut Test negativ, kann er sich morgen schon etwas einfangen, praktisch muss man alle jeden Tag testen. Und außer H als Krankenschwester kenne ich keinen, der überhaupt je getestet wurde.

Merkel braucht keine Maske: „Wenn ich die Abstandsregeln einhalte, brauche ich die Maske nicht aufzusetzen. Und wenn ich sie nicht einhalte und ich zum Beispiel einkaufen gehe, dann treffen wir uns nicht, offensichtlich“, deshalb sehe man sie nie mit Maske, www.berliner-zeitung.de. Na, na! Wir gehen seit Monaten nicht mehr ins Museum, weil man uns in leeren Hallen mit der Maskenpflicht schikaniert: fünfzig Meter Abstand reicht nie und nimmer, Maskenpflicht ist Maskenpflicht, und wäre Rosa-Hütchen-Pflicht. Aber sie braucht keine, weil sie Abstand hält?
Aber warum bloß hält sie beim Einkaufen keinen ein? Abstands- und Maskenpflicht! Im Großstadt-Zentrum ist’s so leer, Bekannte sagen: auch in Berlin, schwierig, keine Abstände zu halten! Gut, wer weiß, wo sie einkauft, in welch frequentierten Lagen, Teubnitz oder Niederfinow. Doch wie könnte ich mich auf meinen Einkauf konzentrieren, wenn die Kanzlerin direkt an mich dran muss? Auch Klopapier gibt’s reichlich. Im Bundestag hält sie ihn allerdings auch nicht ein, so dicht an ihren Kollegen vorbei oder mit Macron zusammen sitzend - Bei ihr springt keiner zur Seite wie hier mancher, wenn ich komme, auf die Straße. Wenn sie nachher zum Super-spreader wird, wie wir ohne Maske immer genannt werden, und macht, dass wir alle das, so Söder, „absolut tödliche“ Virus bekommen!

6. Juli, „Genesene Corona-Tote“

„Alexander wurde 21 Jahre vor seinem Tode vergiftet.“ (Galletti)

Sogar wer seit längerem von Covid-19 genesen ist, und später an irgendetwas stirbt, wird in der RKI-Statistik als „Corona-Toter“ gezählt. Krefeld wusste das nicht, und muss deshalb seine Zahl herauf setzen: „Obwohl es laut Feststellung des städtischen Fachbereichs Gesundheit keinen neuen Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19 zu verzeichnen gibt, muss die Zahl der Verstorbenen systemrelevant um einen Fall auf nun 23 heraufgesetzt werden, um die Statistik an die des Robert-Koch-Institutes anzupassen. Grund ist, dass Personen, die einmal positiv auf das Coronavirus getestet wurden und später versterben grundsätzlich in dieser Statistik aufgeführt werden. Im vorliegenden Krefelder Todesfall galt die Person (mittleren Alters und mit multiplen Vorerkrankungen) nachdem es mehrfach negative Testergebnisse gab inzwischen seit längerem als genesen.“ www.krefeld.de, 6. Juli

Post hoc, ergo propter hoc.
Wenn wir die zu Anfang angestrebte „Durchseuchung“ von 60% aller Bürger erreichen, wird man diese später alle als „Corona-Tote“ zählen müssen, denn irgendwann werden sie an etwas sterben. Wenn das so ist, muss es weniger Krebs-Tote geben, eine gute Nachricht. Und weniger Tote durch Herzinfarkt und Schlaganfälle, eben weil sie als „Corona-Tote“ zählen. Auf jeden Fall sterben dadurch nicht mehr Menschen als sonst, es sei denn, man zählt sie doppelt, und es sterben mehr Menschen als überhaupt gelebt haben: Etwa wenn sie an Krebs gestorben sind und vorher noch irgendwann Corona hatten, dann könnte man sie als „Krebs-Toter“ und „Corona-Toter“ zählen. Wenigstens kann man einen doppelt gestorbenen im selben Sarg begraben, dass es da nicht auch noch Probleme gibt und die Militär-Lastwagen nicht ausreichen.

„Karl XII. wurde 22 Jahre nach seinem Tode erschossen.“
„Die Römer waren in der Schlacht bei Cannae 30,000 Mann stark. Davon wurden 20,000 gefangen, 40,000 blieben und 120,000 entkamen.“ (Galletti)

8. Juli, Meeresluft mit Maske

„Pleitewelle rollt auf Deutschland zu“, „Weiterwursteln geht nicht mehr.“, „Bisher herrschte Flut und was wirklich passierte, lag meist unter der Oberfläche.“, aber „Ende Juni werden wir sehen, wer bei Ebbe ohne Hose badet.“, focus.de, 23.5.

Billionen fließen, die Insolvenz-Lawine rollt, Börsenkurse freuen sich und „gehen durch die Decke“.

Die Leute freuen sich auch:

„Radikal richtig gemacht“
Geschäftspleiten, Großeltern vereinsamen lassen, Masken in leeren Hallen tragen, alles so „radikal richtig gemacht“, dass man uns statt rotem borstigen Droh-Virus zur Belohnung ein Strandfoto auf Sylt zeigt, eisgekühlte Cocktails, eine junge Kellnerin mit lachenden Augen, maskiert, Sonne, Beach-Ball. Das haben wir uns endlich verdient. Die Seite hat inzwischen ein anderes Foto reingestellt: aufgereihte Masken, www.n-tv.de.

Immer wieder Fotos in der Presse, wie einer alleine am Strand die Maske trägt. Wer weiß - bei dieser luftigen Brise, wegen der die Leute früher ans Meer in die Heilbäder sind, um ihre Lungen zu kurieren, denkt mancher heute ängstlich an Drostens Aerosole: Von Dänemark kommen sie nach Rügen geweht. Am FKK-Strand ist man dann nur noch im Gesicht bekleidet. Geht man dann mit Maske baden? Tauch-Touren? Im Meer braucht’s nicht mal Aerosole, ist voller Hydrosole und alles noch gar nicht hinreichend untersucht, wie immer gesagt wird. Nachher mutiert das an Tintenfischen und Quallen.

Wenn ranghohe Mediziner sagen, es wird keine zweite Welle geben, oder es habe nicht einmal eine erste gegeben, oder eine Dauerwelle, will ich als Laie nicht die zweite Welle herauf beschwören. Herr Spahn aber geht von einer solchen aus und plant sie fest ein, dann wird sie sicher kommen.

Bilder mit Masken am Strand:
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